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Estland: Export zieht Holzindustrie aus der Krise

Export zieht Estlands Holz-, Papier- und Möbelindustrie aus der Krise
Betriebe bestellen auch wieder mehr Maschinen und Ausrüstungen aus dem Ausland

Von Torsten Pauly

Tallinn (gtai): Estlands stark exportorientierte Produzenten von Holz, Papier und Möbel befinden sich nach den hohen Einbrüchen in der jüngsten Krise nun wieder in einem starken Aufschwung. Im Zuge der Konjunkturerholung steigt seit 2010 auch die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen aus dem Import wieder deutlich an. Der Investitionsbedarf ist dabei umso größer, als da es von 2007 bis 2009 in der estnischen Holz-, Papier- und Möbelindustrie kaum Modernisierungen und Erweiterungen gegeben hatte.

Estland weist sowohl bei Holz- und Papierprodukten als auch bei den Maschinen dafür Exportüberschüsse auf, und beide Branchen zählen im Land zu den wichtigsten Industriezweigen. Das gleiche gilt für die Möbelfertigung. So hat die Holzindustrie 2009 laut neuester offizieller Statistik 13,6% zum Gesamtabsatz von Estlands verarbeitendem Gewerbe beigetragen, weitere 4,6% entfielen auf die Möbel- und 2,5% auf die Papierhersteller. Die drei Industrieparten haben zusammen auch 21,8% aller gewerblichen Arbeitsplätze gestellt. Strukturell ist die estnische Holz-, Möbel- und Papierindustrie von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt, deren Jahresumsatz 2009 die Marke von 50 Mio. Euro nicht überschritten hat.

Die Branche Holz hat ihre Produktion 2010 wieder um 20,2% gesteigert und damit die hohen von Rückgänge 2007 (-3,7%), 2008 (-18,2%) und 2009 (-25,5%) teilweise kompensieren können. Dennoch ist das Vorkrisenniveau größtenteils noch nicht wieder erreicht. So hat sich das gesägte Holz beispielweise 2010 nur auf 1.454.500 cbm summiert (2007: 1.554.700 cbm) und die Anzahl der Holzpaletten hat 1.411.100 Stück betragen (2007: 3.400.800 Stück). Besser ist der Vergleich etwa bei Sperrholz mit 36.000 cbm (2011) gegenüber 35.500 cbm (2007) oder bei Türen und Fenstern (4,0 Mio. Stück gegenüber 3,9 Mio. Stück).

Die Konjunkturerholung hat in der Holzindustrie im 1. Halbjahr 2011 angehalten, war doch die Branchenerzeugung zwischen Januar und März um 23,1% und zwischen April und Juni um 12,6% höher als im jeweiligen Zeitraum des Vorjahres. Im langfristigen Vergleich fiel der Index der Holzproduktion im Juni 2011 dagegen immer noch um 4,8% geringer aus als im Mittel von 2005, während das Niveau des verarbeitenden Gewerbes insgesamt um 24,9% darüber lag. Der Wert der Holzexporte in den Euro-Raum übertraf allerdings im Juni 2011 den Schnitt von 2005 um 20,7% und derjenige in andere Länder sogar um 56,9%. Die hohe Bedeutung der Ausfuhr birgt jedoch auch die Gefahr, dass sich eine in den kommenden Monaten möglicherweise erneut verschlechternde Konjunktur auf wichtigen Absatzmärkten negativ auf die estnische Erzeugung auswirkt.

Mit dem Aufschwung und wegen der starken Investitionszurückhaltung während der Krise steigt auch die Nachfrage nach Holzmaschinen in Estland wieder spürbar. Die entsprechenden Importe haben sich 2010 um 24,7% auf 18,2 Mio. Euro erhöht, und diese Dynamik hat sich in den ersten fünf Monaten 2011 noch verstärkt, als es einen Sprung von 46,6% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gab. Auch estnische Anbieter stellen Holzmaschinen her, die Exporte haben die Importe 2010 mit 21,1 Mio. Euro noch übertroffen. Hiervon entfielen 14,8 Mio. Euro auf Span- und Faserplattenpressen.

Estlands Papierindustrie hat ihre Erzeugung 2010 aufgrund des mäßigen Jahresbeginns um 12,7% und damit weniger als die Holzbranche gesteigert. Die Konjunktur in der Papiersparte hat sich gegen Mitte 2011 wieder etwas abgekühlt, denn auf einen Sprung von 19,1% im 1. Quartal (gegenüber dem gleichen Zeitraum 2010) folgte nur ein leichtes Plus von 2,4% im 2. Quartal. Die Aussichten für die 2. Jahreshälfte sind jedoch weiter gut. Im Juni 2011 bewegte sich der Index der Auftragseingänge in der Papierindustrie um 133,5% über dem Niveau von 2005. Dabei fiel der Indikator für die Bestellungen aus dem Ausland (+179,5%) noch deutlich besser aus als bei den Inlandsorders (+17,5%). Dennoch hat Estlands Papierindustrie die Einbrüche von 2008 (-11,9%) und 2009 (-21,7%) noch nicht völlig ausgeglichen.

Ähnlich wie im Holzsektor zeigt auch in der estnischen Papierindustrie der Bedarf nach Maschinen und Ausrüstungen wieder deutlich nach oben, ausgehend allerdings von einem recht geringen Niveau. Im Jahr 2010 hat sich die Einfuhr entsprechender Anlagen mit 8,3 Mio. Euro fast vervierfacht (+276,9%). Auch für Papiermaschinen gibt es in Estland Hersteller, die 2010 Exporte im Umfang von 14,2 Mio. Euro realisiert haben.

Dem Trend folgend konnten zudem auch Estlands Möbelhersteller ihre Fertigung 2010 um 11,4% und in den ersten beiden Quartalen 2011 um 19,1 sowie 11,1% ausweiten, jeweils gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Dank der anhaltenden Erholung ist die Möbelbranche daher auf einem guten Weg, die hohen Einbrüche von 2008 (-9,1%) und 2009 (-26,2%) zu kompensieren. (Quelle: gtai - Germany Trade and Invest | Autor: Torsten Pauly | 09/2011)

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