Verbesserter Zugang auf Märkte der Schwellenländer
WTO-Ministertreffen: Wirtschaft will verbesserten Zugang auf Märkte der Schwellenländer
WKÖ fordert Abschluss der Verhandlungsmodalitäten und erwartet Gesamtzoll-Ersparnis insbesondere bei Industriestaaten von rund 100 Millionen Euro
Wien - 18.07.08: Die laufende Verhandlungsrunde in der Welthandelsorganisation (WTO) geht mit dem am nächsten Montag beginnenden Handelsministertreffen in Genf in eine entscheidende Phase. Seit nunmehr sieben Jahren versuchen die Minister und Handelsexperten von derzeit 152 Staaten, davon 2 Drittel Entwicklungsländer, sich auf die sog. Verhandlungsmodalitäten, also die Grundsätze, nach welchen die weiteren technischen Verhandlungen ablaufen sollen, zu einigen.
Seit geraumer Zeit merken auch die österreichischen Exporteure vermehrt restriktive Importpraktiken unserer internationalen Handelspartner, die sich nach einem Scheitern der Runde erwartungsgemäß verstärken würden. Ein ausgewogener Kompromiss als kräftiges Lebenszeichen des multilateralen Handelssystems wäre deshalb mehr als notwendig.
Unter diesen Vorzeichen konzentrieren sich die Verhandlungen nächste Woche insbesondere auf eine Einigung in den Verhandlungen zur Verbesserung des nicht-landwirtschaftlichen Marktzugangs (NAMA) und zur Landwirtschaft.
Die ursprünglichen Ziele der EU, insbesondere mit den wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Entwicklungsländern ("emerging economies") wie China, Brasilien, Indien zusätzlichen Marktzugang z. B. in Form von nennenswerten Zollsenkungen für industriell-gewerbliche Waren zu verhandeln, scheinen nach derzeitigem Stand stark gefährdet. Die WKÖ erwartet daher von den Handelsministern faire Kompromisse zur weiteren Öffnung der Märkte von emerging economies als Zukunftsmärkte auch der österreichischen Exporteure. Allerdings dürfen gerade diese Länder die für sie möglichen "Flexibilitäten" nicht dazu nutzen, ganze Branchen von ihren Zollsenkungsverpflichtungen auszunehmen. Denn damit könnte auch für bedeutende österreichische Exportsparten wie KFZ, Maschinen, Chemie, Pharmazeutika, Holz, Papier ua. die Situation entstehen, dass die EU ihre Zölle weiter senken muss, wichtige Exportmärkte ihre Zölle jedoch unverändert hoch belassen können. Ein derartiges Ergebnis wäre für die österreichische Wirtschaft inakzeptabel.
Aber nicht nur die EU, sondern mit ihr alle Industriestaaten werden ihre Zölle im Rahmen der WTO-Runde weiter senken. Angesichts der Tatsache, dass Zollsenkungsverhandlungen mit den meisten Industriestaaten derzeit nur in der WTO geführt werden und angesichts der aktuellen Handelsströme sieht die WKÖ darin derzeit die größten Gewinnchancen der WTO-Runde für die österreichische Wirtschaft.
WKÖ-interne Schätzungen haben zB. ergeben, dass sich die Zollbelastung für österreichische Exporte von Kraftfahrzeugen in die USA um rund 50% verringern ließen. Jene für Glas und Glaswaren um rund 54%, für bestimmte Textilien um rund 60% und für Maschinen mit Exporten in die USA im Wert von rund 1,4 Mrd. Euro um immerhin rund 33%. Die Zollersparnis bei Exporten von Holz und Waren daraus würde nach Japan rund 58% betragen, von bestimmten Textilen bei rund 54%, bei bestimmten Kunststoffen rund 67%, bei bestimmten chemischen Verbindungen von rund 68% bis rund 72%. In absoluten Zahlen, schätzt die Wirtschaftskammer, wäre für Österreich eine möglichen Gesamt-Zollersparnis am Beispiel von 6 wichtigen Handelspartnern von rund 100 Mio Euro möglich. Ähnliche positive Effekte sind für die übrigen Verhandlungsthemen wie Sektoren, nicht-tarifäre Handelshemmnisse (NTBs), Dienstleistungen, Handelserleichterungen, Handelsregeln ua. zu erwarten. (Rh) (Quelle: WKÖ - Wirtschaftskammer Österreich)
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