Thüringen: Waldzustandsbericht 2008
Der Waldzustandsbericht 2008 weist in Thüringen 34 Prozent der Waldfläche als deutlich geschädigt aus
Zustand der Thüringer Wälder gibt keinen Grund zur Entwarnung
Der Waldzustandsbericht 2008 weist in Thüringen 34 Prozent der Waldfläche als deutlich geschädigt und 45 Prozent als schwach geschädigt auf. Damit ist auch 2008 der Anteil der deutlich geschädigten Bäume lediglich um 1 Prozent zu 2007 gesunken und der schwach geschädigten Bäume um 3 Prozent gestiegen. Seit 2004 befindet sich der Waldzustand auf nahezu gleichbleibend hohem Niveau. Besonders beunruhigend ist, dass sich die Situation angesichts des Klimawandels auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten kaum verbessern wird. Nur 21 Prozent der Thüringer Waldfläche sind ohne Schadensmerkmale. Gemessen an der Belastbarkeit der Ökosysteme ist auch die heutige Luftverunreinigung immer noch zu hoch. Die einzige Fokussierung der Landespolitik auf den Ausbau von Straßen und Autobahnen und der damit verbundene Niedergang des öffentlichen Personennahverkehrs ist eine Hauptursache dafür, dass unsere Ökosysteme, vor allem die Wälder, geschädigt werden. Die tiefgründige Versauerung der Waldböden durch jahrzehntelangen und anhaltenden Eintrag von Schwefel- und Stickstoffoxiden bleibt eine schwere Hypothek für die Zukunft, so Dr. Frank Augsten, Landessprecher der Thüringer Bündnisgrünen.
Die Hauptbaumart unserer Thüringer Wälder ist die Fichte. Sie gehört zu den Verlieren des Klimawandels. Das heißt: Verstärkte Bemühungen beim Waldumbau hin zu naturnahen Wäldern sind nötig. Dabei muss der Naturverjüngung -- so weit wie es der Waldumbau zulässt -- Vorrang gegenüber der Verjüngung durch Pflanzung eingeräumt werden. Desto mehr Arten in einem Wald vorkommen, desto größere Chancen haben unsere Wälder, sich an den Klimawandel anzupassen.
Wir fordern die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten eines ganzheitlichen Ökosystemmanagements, welches die Biodiversität fördert und die Bewirtschaftung von Wäldern einschließt. Die Kurzsichtigkeit des Thüringer Umweltministeriums rächt sich zum einen bei den vorgenommen Personalkürzungen und zum anderen, Wald nicht als Generationenprojekt zu verstehen.
In das Bundeswaldgesetz müssen die Grundsätze für eine nachhaltige und ordnungsgemäße Waldwirtschaft eingeführt werden. Derzeit ist dort noch nicht festgelegt, was unter einer nachhaltigen und ordnungsgemäßen Waldwirtschaft zu verstehen ist. Ebenso muss eine Novelle des Bundesjagdgesetzes endlich waldverträgliche Wilddichten gewährleisten, damit Naturverjüngung im Wald künftig wieder eine Chance bekommt.
Die Landesregierung und die Kommunen müssen mehr tun als bisher, um die Charta für Holz umzusetzen. Wir erwarten, dass die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion übernimmt und dem Rohstoff Holz aus heimischer Produktion bei Bau und Beschaffung wieder eine größere Bedeutung eingeräumt wird. (Quelle: europaticker.de)
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