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Schweiz: Borregaard ist nicht mehr zu retten

Von Marco Zwahlen

Luterbach: «Wir sind sehr traurig, den Schliessungsentscheid fällen zu müssen», erklärte gestern Jörn Syvertsen, Verwaltungsratspräsident der Borregaard Schweiz AG. Die Chance, dass die Zellstoff-Fabrik in Riedholz/Luterbach doch noch gerettet werden kann, sei «realistisch gesehen sehr klein»
.

Der Nebel – der älteste Solothurner – lag gestern Montagmorgen dicht über der Aare, die am Palais Besenval vorbeifliesst. Im Innern des Tagungszentrums präsentierte sich die Lage nicht minder trüb: Dort wurden Medienvertreter über das bevorstehende Ende der Borregaard Schweiz AG, einer der traditionsreichsten Grossfirmen der Region, informiert. 440 Beschäftigte – davon 45 Lernende – werden ihre Stelle verlieren.

Monat für Monat bis 2 Mio. Verlust
Damit wurden die Meldungen dieser Zeitung der letzten Tage nun auch offiziell bestätigt: Die wirtschaftliche Situation der Borregaard Schweiz AG liess einen Weiterbetrieb nicht mehr zu. «In den sechs Jahren, in denen Borregaard Besitzer der Zellstoff-Fabrik in Riedholz ist, ist es uns nie gelungen, rentabel zu arbeiten.

Im Gegenteil, wir haben einen sehr hohen operativen Verlust erlitten», brachte es Verwaltungsratspräsident Jörn Syvertsen auf den Punkt. Nicht einmal ein im Frühsommer gestartetes «hartes Sparprogramm» konnte noch helfen: «Momentan verlieren wir pro Monat zwischen ein und zwei Millionen Franken.»

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten die Situation verschärft: Die Preise für den Rohstoff Holz seien seit 2002 um rund 60 Prozent gestiegen (entspricht 30 Prozent der Gesamtkosten); die Energiekosten (rund 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachend), würden sich ebenfalls stark nach oben entwickeln und bald noch deutlich stärker zu Buche schlagen.

Gleichzeitig sind gemäss Syvertsen im Hauptmarkt der Firma, im Markt für Viskosezellstoff für die Textilindustrie Asiens, die Preise seit Ende des 2. Quartals um über 30 Prozent eingebrochen.

Hintergrund sei der Umstand, dass Konkurrenten mit Produktionsstandorten in Südamerika und Südafrika mit Eukalyptusholz «viel kostengünstiger produzieren und ihre Kapazitäten massiv ausgebaut» hätten.

Investitionen «nicht zu verantworten»
Eine Flucht nach vorne konnte und wollte sich offensichtlich die Konzernspitze in Norwegen nicht (mehr) leisten: Um die veralteten Anlagen im Werk Riedholz auf den heutigen Stand der Technik zu bringen und die eingeschlagene Spezialisierungsstrategie voll umzusetzen, wären gemäss Branchenkennern Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe nötig gewesen.

Diesbezüglich mochte Syvertsen keine Zahlen nennen. Aber: «Die nötigen hohen Investitionen können wir vor dem geschilderten Hintergrund nicht verantworten.»

Letzte Suche nach einem «Wunder»
Bis am 25. Oktober läuft nun die vom Gesamtarbeitsvertrag vorgegebene 30-tägige Konsultationsfrist, in der unter Einbezug auch der Sozialpartner noch einmal nach Alternativen zur Schliessung gesucht werden soll.

«Selbstverständlich sind wir gegenüber solchen Vorschlägen offen», erklärte Stefan Meili, Geschäftsleiter der Borregaard Schweiz AG. Die Chance für ein Wunder, dass dabei eine bisher nicht geprüfte Idee auftaucht, wird von den Firmenverantwortlichen allerdings als klein eingestuft.

Ein von der Entwicklung der letzten Wochen sichtlich gezeichneter Stefan Meili verdankte den «unermüdlichen Einsatz» des Personals für das Unternehmen. Er verwies auf die in den letzten Monaten erzielten Fortschritte insbesondere bezüglich Umweltbelastung.

So seien die Abwasseremissionen «mit internen Verbesserungsmassnahmen gegenüber dem letzten Jahr halbiert» worden.

In Zusammenarbeit mit einer Personaldienstleistungsfirma soll nun laut Meili ein Jobcenter eingerichtet werden. Dieses soll in enger Zusammenarbeit mit dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) die Borregaard-Mitarbeitenden bei der Jobsuche unterstützen.

Bis zur Schliessung, die wohl spätestens im kommenden Dezember erfolgen wird, sollen möglichst viele der Beschäftigten an neue Arbeitsplätze vermittelt werden.

Im Gegensatz zum Nebel, der sich gegen Mittag auch über der Stadt Solothurn endlich lichtete, bleibt die Aussicht für viele Beschäftigte der Firma Borregaard über den Tag hinaus wie sie nun einmal ist: trüb. (Autor: Marco Zwahlen / Quelle: szonline.ch - 09/2008)

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