Russland: Zollerhöhungen | Verlust der Holzexporte
Russland könnte mit drastischen Zollerhöhungen seinen Holzexport verlieren
Moskau: Russland wird 2010 die Holzexportzölle nicht erhöhen, und das ist nicht nur ein politisches Zugeständnis an die Finnen, da sie Nord Stream unterstützt haben. Darüber berichtet das Internetportal "Gazeta.Ru" am Montag. Wirtschaftsexperten verweisen darauf, dass dies doch eher eine wirtschaftliche denn eine politische Entscheidung sei: Würde Russland unter den heutigen Bedingungen die Zölle erhöhen, so könnte es seinen gesamten Holzexport verlieren, ohne etwas davon zu gewinnen.
Mit der allmählichen Erhöhung der Zölle für Rundholz begannen die Behörden bereits 2007. Nach Ansicht der Regierung führten die russischen Holzunternehmer zu viel Rohstoff aus, statt ihn im Lande selbst zu verarbeiten. Die Finnen zum Beispiel kauften russisches Rohholz, verarbeiteten es in ihren Betrieben und verkauften Russland dann schon Fertigerzeugnisse. Zum Kampf dagegen wurden so genannte Sperrzölle eingeführt, die die Ausfuhr von unbearbeitetem Holz unvorteilhaft machen sollten.
Ab Anfang Juli 2007 erhöhten sich die Zölle von vier auf zehn Euro je Kubikmeter, ab April 2008 auf 15 Euro. Ab 1. Januar 2009 hätten sie dann gleich bis auf 50 Euro je Kubikmeter Rundholz steigen sollen. "Das sind 75 bis 80 Prozent des Zollwertes des Holzes selbst. Bei solchen Zöllen verliert der Export jeden Sinn", schreibt Lilia Atamanjuk, Analystin von Lesprom Industry Consulting.
Die dann getroffene Entscheidung der Behörden, den Zolltarif doch nicht auf einmal so drastisch, sondern allmählich weiter zu erhöhen, fiel nicht etwa in erster Linie, um den finnischen Partnern einen Gefallen zu tun. "Die russische Regierung nahm an, dass eine bedeutende Erhöhung der Exportkosten mehr Investitionen in die Holzindustrie bringen und sich die Holzverarbeitung innerhalb des Landes aktiver entwickeln werde", betont Atamanjuk. "Doch während der Krise ist es äußerst schwer, Geld für den Bau neuer Zellstoff- und Papierkombinate aufzubringen."
Zollerhöhungen haben überhaupt nur Sinn, wenn die einheimische Holzindustrie zum Bau neuer eigener Kapazitäten bereit ist, fügen Experten hinzu. Sonst würden die ausländischen Käufer unseres Holzes binnen eines Jahres aus den Verträgen mit den russischen Unternehmern ein Maximum herausschlagen und angesichts der steigenden Zölle einfach nach anderen Lieferanten suchen. In Russland aber ist für 2010 laut Expertenschätzungen die Inbetriebnahme von neuen Holzverarbeitungskapazitäten nicht geplant: Dazu fehlt sowohl die Zeit als auch das Geld.
Russland könnte den Export auch in einem Jahr verlieren, wenn es sich mit den Zöllen überstürzt. Faktisch nimmt er schon ab: Im ersten Halbjahr ist der Holzexport gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 47,6 Prozent zurückgegangen. (Quelle: Gazeta.Ru & RIA Novosti)
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