Russland: Russland bringt Finnland zum Einlenken
Moskau, 21. April: Die Frage des Baus der Ostsee-Pipeline (Nord Stream) durch finnische Gewässer kann bereits im Juni gelöst werden. Im Gegenzug wäre Russland bereit, die Zollgebühren für den Export von unbearbeitetem Nutzholz auch weiterhin niedrig zu halten. Darüber berichtet die Tageszeitung „RBC Daily“ am Dienstag.
Das Rohholz aus Russland ist das wichtigste Rohmaterial für die Holzverarbeitungsindustrie Finnlands.
Bis dato lehnte Finnland den Bau der russisch-deutschen Pipeline auf dem Grund der Ostsee aus Umweltgründen ab. Nun aber sieht es so aus, als wäre die finnische Seite bereit, ihre Bedenken abzulegen, was wiederum bedeuten würde, dass Moskau Argumente finden konnte, die für die Finnen einleuchtend sind. Die holzbearbeitende Industrie Finnlands hängt am Tropf des russischen Rohholzexports - und zwar in einem solchen Maße, dass Moskaus Entscheidung, ab 2007 die Ausfuhrzölle fürs Nutzholz etappenweise zu erhöhen, die finnische Holzindustrie beinahe in einen Schockzustand versetzt hatte.
Es wurde nämlich geplant bis 2010 die Ausfuhrzölle (auf 20 Prozent) zu verdoppeln. Doch im November 2008 hatten sich der russische Regierungschef Wladimir Putin und sein finnischer Amtskollege Matti Vanhanen geeinigt, den Erhöhungsprozess für bis zu zwölf Monate auszusetzen. Fast könnte man behaupten, Moskau hat Finnland vom russischem Holz abhängig gemacht, meint Maxim Braterski, Professor des Lehrstuhls für Weltpolitik an der Moskauer Wirtschaftshochschule. „Ich befürchte dennoch, dass all das nichts mit der heimtückischen und gut kalkulierten Politik Moskaus zu tun hat, es ist eine typisch russische Mischung aus der Schlamperei und Glück“, fügt Braterski hinzu.
Die Entscheidung, die Ausfuhrzölle anzuheben, wurde mit Blick auf die etwaige schnelle Entwicklung der heimischen holzbearbeitenden Industrie gefällt. Doch bereits seit zwei Jahren sucht man hier vergeblich nach Investoren, unterstreicht Braterski. Vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftskrise aber habe Moskau die Chance entdeckt, die Preise durch die Ausfuhrzölle zu beeinflussen und diese Exportzölle als Argument im Kampf für die Nord-Stream-Pipeline einzusetzen, so Braterski zusammenfassend. (Quelle: RIA Novosti / RBC Daily)
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