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Erneuter Aufschub der Exportzollerhöhung für Rundholz Projekte in Archangelsk und Tatarstan geplant
Von Bernd Hones
Moskau (gtai) - Die sinkende Kaufkraft der russischen Bevölkerung drückt die Nachfrage nach Möbeln und anderen Produkten aus Holz. Deswegen ist die Produktion von Holz und Produkten daraus im 1. Halbjahr 2009 stark gesunken. Russische Sägewerke oder Hersteller von Holzprodukten, die derzeit trotzdem in neue Anlagen investieren wollen, kämpfen mit Finanzierungsschwierigkeiten. Der Absatz von Holzverarbeitungsmaschinen verläuft schleppend, allerdings steigt das Interesse an hochwertigen und flexiblen Ausrüstungen bereits wieder.
Auch wenn die Projektmeldungen aus der Holzbearbeitungsindustrie rar geworden sind, einige Konzerne wollen nach wie vor in Russland investieren. Oder starten gerade mit der Produktion. So hat etwa die Unternehmensgruppe Safwood aus Italien Mitte August 2009 ein DSP-Werk in der Republik Komi in Betrieb genommen. Die Investitionen in die Holzfabrik beliefen sich auf 909 Mio. Rbl. (über 20 Mio. Euro; EZB-Wechselkurs vom 21.8.2009: 1 Euro = 45,39 Rbl). Die Kapazitäten des neuen Werks bei Syktywkar liegen bei mehr als 150.000 cbm Pressspanplatten pro Jahr. Dazu hat Safwood Anlagen aus Deutschland, Schweden, Italien und China installiert.
Die türkische Hayat-Holding hält an ihren Plänen fest, knapp 70 Mio. Euro in den Bau einer Holzfabrik in Tatarstan zu investieren. Produziert werden sollen mitteldichte Holzfaser- und Spanplatten. Das Engagement ist bereits seit 2008 bekannt, Mitte 2009 hat die türkische Seite gegenüber dem Premierminister Tatarstans die Investitionsabsicht erneut bekräftigt.
Ähnlich große Investitionen stehen jetzt im waldreichen Gebiet Archangelsk an. Die Solombalales-Holding will 70 Mio. Euro plus Steuern in die Entwicklung und Infrastruktur der Holzverarbeitungsfabrik OAO Solomalski LDK stecken. Das hat der Leiter der Holding, Aleksandr Perepelkin, Mitte August 2009 bekannt gegeben. In der ersten Bauetappe sollen neue Lager mit Balkensortiermaschinen, einem neuen Sägewerk inklusive zweier moderner Fräs- und Schneidebänder sowie dreier Sortieranlagen für die Rohstoffe eingerichtet werden. Im zweiten Abschnitt werden Hobel- und Weiterverarbeitungsanlagen angeschafft und aufgestellt. Im Ergebnis sollen die Produktionskosten in dem Werk um das 1,5 bis 1,7-Fache sinken.
Energie- und rohstoffschonende Fertigung - das spielt selbst im Erdgas-, Erdöl- und Holz-reichen Russland eine zunehmend wichtige Rolle, sagt Frank Brückner, Osteuropaspezialist bei der deutschen Homag AG. Schließlich verfügten viele Holzverarbeiter über knappe Energiekapazitäten, und der Rohstoff Holz ist aufgrund der schlecht ausgebauten Waldwege und der schwierigen Erschließung neuer Territorien teuer. Der Russlandmanager des Herstellers von Holzbearbeitungssystemen aus Schopfloch sieht drei große Absatzfelder, in denen es selbst zu Hochzeiten der Wirtschaftskrise interessierte Kunden gibt: Das sind Investitionen bei Verschleiß, zum Schließen von technologischen Lücken und für eine hochflexible Fertigung. Im Vergleich zum Jahresende 2008 verzeichne sein Unternehmen mittlerweile wieder vermehrt Anfragen von russischer Seite. "Weg von einer hohen Stückfertigung und Lagerhaltung und hin zu schnell rüstenden Maschinen" - gut geführte Unternehmen in Russland schlagen laut Brückner genau diese Richtung ein.
Allerdings hemmen die Finanzierungsprobleme vieler Konzerne derzeit umfangreiche Projekte. Außerdem vereiteln die unsicheren Aussichten auf das künftige Verbraucherverhalten der russischen Konsumenten umfangreiche Investitionsentscheidungen. Massenentlassungen, Kurzarbeit und reduzierte Löhne schwächen den Konsum und das Vertrauen der Menschen. Der Einkauf neuer Möbel, Renovierungsarbeiten, neue Fenster oder Parkett - solche Ausgaben stellen viele Russinnen und Russen derzeit zurück. Laut Ekspress-Obsor dürfte das Marktvolumen für Möbel 2009 um 29% schrumpfen, nachdem es 2008 Finam-Berechnungen zufolge bei 15 Mrd. US$ gelegen hat. Insgesamt müssen deutsche Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen und Anlagen 2009 mit einem deutlich schlechteren Russlandgeschäft rechnen als noch im Vorjahr.
Wesentlich dürftiger als Zentral- und Südrussland ist der sibirische Teil des größten Landes der Welt hinsichtlich der Holzverarbeitung entwickelt. Die Dynamik gleicht der des europäischen Teils vor mehr als fünf Jahren. Außerdem sind im Billig- beziehungsweise im Einstiegssegment für Holzbearbeitungsmaschinen Konkurrenten aus China stark vertreten. Allerdings dürften bei Investitionen in aufwändigere Maschinen und Anlagen die europäischen Wettbewerber das Rennen unter sich entscheiden.
Importe von Holzbearbeitungsmaschinen in die Russische Föderation (in Mio. US$) [ KB]
(Quelle: Föderaler Zolldienst Russlands)
Die Holzproduktion und die Herstellung von Produkten aus Holz sind im 1. Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über ein Viertel zurück gegangen. Holzverarbeiter schnitten, hobelten und tränkten um 22% weniger Holz als in den ersten sechs Monaten 2008, die Produktion von Holzemballagen sank um 11,4%, von Furnier-, Span- und Sperrholzplatten um knapp 30% und von Baumaterialien um 27,5%. Der Holzeinschlag ging im 1. Halbjahr 2009 russlandweit um 13,8% zurück.
Auf das ganze Jahr gesehen erwarten Experten einen Rückgang des Holzschlags um ein Fünftel auf 130 Mio. cbm. Das prognostizieren der Verband der Holzindustrie und Holzexporteure sowie die Holding Wologodskije lesopromyschlenniki. Dies geht in erster Linie auf den Bankrott vieler kleiner und mittelgroßer Holzerntefirmen zurück, auf die noch vor der Krise mehr als die Hälfte des russlandweiten Fällvolumens zurückzuführen war.
Bereits 2008 war die Holzernte um 20% auf 163 Mio. cbm gesunken. Schuld daran war damals die Einführung des Exportzolls auf Rundholz von 15 Euro pro cbm. In den ersten vier Monaten 2009 halbierten sich die Rundholzexporte nochmals. Wichtige Käuferländer wie China und Finnland haben sich anderen Lieferanten zugewandt.
Eine weitere Erhöhung der Handelsschranke auf 50 Euro hat die russische Regierung daraufhin auf das Jahr 2010 verschoben. Für den neuerlichen Rückgang des Holzschlags zeichnet jedoch die Wirtschaftskrise verantwortlich. Von Januar bis Mai 2009 sind die Preise für Rundholz um fast ein Drittel gesunken. Der Kubikmeter kostete Ende Mai nur noch 750 Rbl (knapp 17 Euro).
Produktion von Holz und Holzprodukten (in 1.000 qm; Veränderung in %) [ KB]
(Quelle: Föderaler Statistikdienst der Russischen Föderation)
(Artikelquelle: gtai - Germany Trade and Invest / Autor: Bernd Hones)
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