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Russland: Holzindustrie investiert in Chabarowsk

Waldfläche mehr als doppelt so groß wie ganz Deutschland
Neue Maschinen und Anlagen für 150 Mio. Euro im Jahr 2011


Von Bernd Hones

Moskau (gtai): Die Holzindustrie ist neben Metallverarbeitung, Flugzeugbau und Pharmazeutik der wichtigste Industriezweig in der Region Chabarowsk (Chabarowski krai). Rund 300 Betriebe sind in der Holzverarbeitung tätig, Tausende Arbeitsplätze hängen von dieser Branche ab. Immer mehr ausländische Investoren interessieren sich für den Standort und bauen moderne Anlagen. Mit Verträgen und freiwilligen Zertifizierungen drängt die Regierung die Pächter zur verantwortungsvollen Nutzung der Ressourcen.

Der Chabarowski krai zählt zu den holzreichsten Gebieten der Russischen Föderation. In der Region gibt es 75 Mio. Hektar Waldflächen - das ist doppelt so groß wie die Fläche der Bundesrepublik Deutschland. Von den 75 Mio. ha Wald zählen rund 87% zum so genannten Holzfonds. Das sind Wälder, die theoretisch gerodet werden können. Die Holzvorräte in diesen Wäldern belaufen sich auf ein Volumen von 5 Mrd. cbm.

Die Holzindustrie - von der Holzernte bis zur Verarbeitung - ist ein Zugpferd der lokalen Wirtschaft. In der Branche sind 15.500 Menschen beschäftigt. Das Ministerium für natürliche Ressourcen im Chabarowski krai gibt 23,5 Mio. cbm Wald pro Jahr zur Abholzung frei, sagt Wjatscheslaw Kowaljow, stellvertretender Leiter der Behörde und Vorsitzender des Ausschusses für die Holzindustrie, im Interview mit Germany Trade and Invest. Davon würden etwa 11,5 Mio. cbm an Firmen im Chabarowski krai verpachtet. Die 143 Pächter hätten im Jahr 2010 lediglich 6,5 Mio. cbm geerntet, also etwas mehr als ein Tausendstel des bestehenden Waldes. Im Jahr 2011 dürften es 7 Mio. cbm werden, prognostiziert der stellvertretende Ressourcenminister.

Neben den 143 Waldpächtern gibt es im Chabarowski krai 300 Firmen der Holzverarbeitung - und es werden immer mehr. Zwar komme das Gros der Investoren aus Russland, aber immerhin stammten bereits 15% der Investitionen aus dem Ausland. Der Löwenanteil entfällt auf die malaysische Firma Rimbunan Hijau. Sie zählt zu den vier größten Holzverarbeitern der Region. Wjatscheslaw Kowaljow lobt diesen Trend. "Am liebsten würden wir unser ganzes Rundholz gleich vor Ort verarbeiten", sagt der Spitzenbeamte. Doch davon ist man in Chabarowsk noch meilenweit entfernt. Von den 6,5 Mio. cbm gefällten Bäumen blieben im Jahr 2010 rund 5,6 Mio. cbm Rundholz über. Davon seien 4 Mio. cbm in den Export gegangen und nur 1,6 Mio. cbm verarbeitet worden, ergänzt Kowaljow. Es wurden 700.000 cbm Vollholzbretter, Furniere und Spanplatten hergestellt. Zu den größten Holzverarbeitern zählen die Unternehmen OOO SP Arkaim, die zur RFP-Gruppe gehörende OOO Dallesprom, die Bisnes Marketing-Holding, OAO Istok, Sao Schelechowski KLPCH, OOO Sindinskoje LSP, OOO Tschuin und die RH Gruppe aus Malaysia.

Künftig sollen Kapazitäten zur Verarbeitung von 5 Mio. cbm Rundholz entstehen. Dazu sollten bis 2012 fünf große Werke gebaut werden; zwei sind fertig, das dritte soll Ende September 2011 die Arbeit aufnehmen. Die Holzfabrik des Konzerns Rimbujan Hijau hat eine Kapazität von 300.000 cbm MDF- und THDF-Platten pro Jahr, sagte der Vorstandsvorsitzende der RH-Gruppe, Tan Sri Datuk, gegenüber der Chabarowsker Ausgabe der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Allerdings verliefen die Arbeiten nicht ohne Schwierigkeiten. Wie es in dem Zeitungsbericht weiter heißt, hätte der Konzern früher Probleme bei der Einfuhr von Maschinen und Anlagen gehabt, jetzt bahnten sich Schwierigkeiten bei der Ausfuhr fertiger Erzeugnisse an. Außerdem beschwert sich der Konzern über zu hohe Strom- und Bahntarife. Ungeachtet dieses Falles ist für Investoren klar: So reich die Region Chabarowsk auch an Holz ist, so schlecht ist die Infrastruktur vor Ort ausgebaut und so unwirtlich sind die Arbeits- und Lebensbedingungen - vor allem in den bitterkalten Wintermonaten. Das erschwert die Gewinnung des begehrten Materials Holz.

Dennoch dürften sich die Investitionen 2011 in die Erweiterung und Modernisierung der Kapazitäten zur Holzverarbeitung auf etwa 6 Mrd. Rubel (150 Mio. Euro; EZB-Wechselkurs vom 11.7.2011: 1 Euro = 39,66 Rubel) belaufen. In diesem Tempo soll es weiter gehen. Im kommenden Jahr will das Unternehmen Dallesprom ein Werk für Rundschälfurnier in Amursk in Betrieb nehmen. Arkaim plant für nächstes Jahr ein neues Sägewerk und eine Heizpellets-Fabrik. Entweder 2013 oder erst 2014 wollen Dallelsprom in Amursk und DalEwroLes in der Siedlung Charpitschan Sägewerke bauen. Damit nicht genug: Nach den Plänen des Ressourcenministeriums soll bis 2014 ein OSB-Plattenwerk auf dem Gebiet des Chabarowski krai entstehen.

Illegale Holzernte ist zwar im Chabarowski krai nach wie vor ein Thema - aber die Fällvolumina dieser Waldpiraten seien sehr gering. Deshalb will Wjatscheslaw Kowaljow im Gespräch mit Germany Trade and Invest nicht von einem ernsthaften Problem sprechen. Außerdem bessere sich die Lage zusehends durch strenge Nutzungsverträge. Sie schreiben eine penible Wiederaufforstung vor. Zusätzlich führten freiwillige Zertifikate zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem langsam nachwachsenden Rohstoff. Auch mit Waldbränden hat die Region immer wieder zu kämpfen - im laufenden Jahr 2011 hat es bereits gebrannt. Aber Gefahren für Anwohner bestünden nicht, so Kowaljow. Zur Früherkennung würden Flugzeuge und Satelliten eingesetzt. (Quelle: gtai - Germany Trade and Invest | Autor: Bernd Hones | 07/2011)

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