Pfleiderer: Umsatz und Ergebnis rückläufig

Pfleiderer kann sich im ersten Halbjahr 2009 der Finanzkrise nicht entziehen
Umsatz und Ergebnis rückläufig – Bankengespräche verlaufen positiv

* Umsatz um 24,5% auf 692,4 Mio. Euro in den ersten sechs Monaten 2009 gesunken
* EBITDA nimmt um 33,8% auf 79,1 Mio. Euro ab, EBITDA-Marge liegt wegen sinkender Rohstoffkosten, Sparmaßnahmen und positiver Einmaleffekte noch bei 11,4%
* Geschäft in Westeuropa und Osteuropa weiter rückläufig, positives Ergebnis in Nordamerika
* Erfolgreiche Neufinanzierung sehr wahrscheinlich, konkrete Ergebnisse können nicht zeitlich bestimmt werden

Neumarkt, 24. August 09 – Mit der Vorlage der Halbjahreszahlen bestätigt sich, dass die im MDAX notierte Pfleiderer AG (ISIN DE 0006764749) die mit kreditgebenden Banken vereinbarten Finanzkennzahlen nicht einhalten konnte. Das Unternehmen hatte bereits Mitte Juni auf diese Möglichkeit hingewiesen. Das erste Halbjahr 2009 war sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Ertragsseite deutlich von den Auswirkungen der Rezession gekennzeichnet. Sowohl abgesetztes Volumen als auch Preisniveau waren gegenüber der Vorjahresperiode rückläufig. Der Umsatz sank im Vorjahresvergleich um 24,5% auf 692,4 Mio. Euro. Wechselkurseffekte haben den Umsatz mit 38,9 Mio. Euro bzw. vier Prozentpunkten belastet. Regional betrachtet verzeichnete Osteuropa mit -39,4% den stärksten Umsatzrückgang, wohingegen Nordamerika ein Wachstum von 0,5% verbuchen konnte. Der Auslandsanteil am Umsatz erreichte 71,5% nach 71,9% im Vorjahreshalbjahr.

Trotz des starken Umsatzeinbruchs konnte die Pfleiderer AG die Bruttomarge gegenüber Vorjahr dank niedrigerer Rohstoffpreise, Effizienzsteigerungen und konsequenter Kostensenkungen sogar leicht von 25,7% auf 26,2% steigern. Zusätzlich wirkte im Bruttoergebnis die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 10,0 Mio. Euro. Das rückläufige Geschäft hat zu einer deutlichen Unterauslastung der Werke geführt, was teilweise durch den Abbau von Überstunden und Leiharbeitskräften sowie die flexible, auftragsabhängige Einführung von Kurzarbeit in einzelnen Werken abgefedert werden konnte.

Als Folge der eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung nahmen die Vertriebskosten gegenüber dem Vorjahr um 16,0% auf 100,4 Mio. Euro ab, die Verwaltungskosten konnten um 9,4% auf 59,6 Mio. Euro gegenüber der Vorjahresperiode reduziert werden. Das EBITDA sank im ersten Halbjahr 2009 auf 79,1 Mio. Euro nach 119,5 Mio. Euro in der Vorjahresperiode. Damit lag die EBITDA-Marge bei 11,4%. Das EBIT fiel auf 22,6 Mio. Euro, nachdem es im Vorjahr noch bei 54,8 Mio. Euro lag. Die Abschreibungen summierten sich auf 56,5 Mio. Euro. Darin enthalten sind Wertminderungen in Höhe von 4,0 Mio. Euro.

Das Finanzergebnis von -26,3 Mio. Euro verbesserte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,5 Mio. Euro. Hierzu trug zum einen das allgemein niedrigere Marktzinsniveau bei, das den Zinsaufwand von 27,4 Mio. Euro auf 23,0 Mio. Euro reduzierte sowie ein geringeres sonstiges Finanzergebnis von -4,1 Mio. Euro. Letzteres resultiert aus nicht operativen Belastungen aufgrund der stichtagsbezogenen Marktpreisbewertung von Finanzpositionen in Fremdwährungen mit -1,9 Mio. Euro und Devisentermingeschäften sowie Zinssicherungsgeschäften mit -2,4 Mio. Euro. Im Vorjahr beinhalteten die sonstigen Positionen im Finanzergebnis einen negativen Beitrag von 7,9 Mio. Euro.

Das Ergebnis aus fortzuführenden Aktivitäten vor Ertragsteuern summiert sich somit auf -3,7 Mio. Euro nach 22,9 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2008. Hauptsächlich als Folge der Aktivierung von latenten Steuern aus Verlustvorträgen bei der Tochtergesellschaft Pergo ergab sich ein Steuerertrag von 7,9 Mio. Euro. Das Periodenergebnis belief sich auf 3,7 Mio. Euro nach 16,3 Mio. in der Vorjahresperiode.

Nach Ergebnisanteilen anderer Gesellschafter und der Hybridkapitalgeber, für die auch bei Aussetzung der Zinszahlungen aufgrund des Nachzahlungsanspruchs in der Bilanz Verbindlichkeiten gebildet werden, verblieb den Aktionären der Pfleiderer AG ein Ergebnis von -2,8 Mio. Euro, verglichen mit einem Ergebnis von 5,3 Mio. Euro im Vorjahreshalbjahr. Das verwässerte und unverwässerte Ergebnis je Aktie belief sich im Berichtshalbjahr auf -6 Eurocent nach 10 Eurocent vor einem Jahr.

„Unser Halbjahresergebnis spiegelt die globale Finanz- und Wirtschaftskrise wider. Hierauf stellen wir uns neben einem strikten Kostenmanagement auch mit innovativen Produktlösungen ein. Die zahlreichen Auszeichnungen und Preise, aber auch konkrete Vertragsabschlüsse mit renommierten Abnehmern bestätigen uns in unserem Vorgehen. Mit Blick auf die laufenden Bankengespräche sind wir zuversichtlich, diese in den nächsten Monaten zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen und damit die langfristige Finanzierung des Unternehmens sicherstellen zu können. Das schließt Gespräche mit der KfW ein“, so Hans H. Overdiek, Vorstandsvorsitzender der Pfleiderer AG, zur Bekanntgabe des Halbjahreszahlen.

Westeuropa verspürt Nachfragerückgang im Heimatmarkt
Die Region Westeuropa verzeichnete im ersten Halbjahr 2009 einen Umsatzrückgang um 28,4% auf 369,3 Mio. Euro. Alle Absatzbranchen und Regionen sind inzwischen davon betroffen, auch der bis dahin relativ stabile deutsche Heimatmarkt. Der Preisverfall bei Standardprodukten hält an, wohingegen sich die veredelten Produkte preislich weitgehend behaupten können. Fußbodenbeläge verzeichneten in Europa weiterhin rückläufige Mengen. Zu einer aktiveren Marktbearbeitung hat Pergo im zweiten Quartal in Berlin, Paris, Zürich und Barcelona Kompetenzzentren für Fußbodenbeläge aufgebaut. Das EBIT in Westeuropa sank von 63,7 Mio. Euro auf 11,7 Mio. Euro. Bereits im Januar wurden ein striktes Kostenmanagement und erhebliche Einsparungen im Gesamtjahr verabschiedet und eingeleitet. Mit den daraus abgeleiteten Strukturmaßnahmen soll die Kostenposition der anhaltend schwachen Nachfrage angepasst werden. Der rückläufigen Marktentwicklung wird mit Kapazitätsreduktionen durch Kurzarbeit, Einsparungen, Personalabbau von rund 200 Mitarbeitern und Innovationen zum Kaufanreiz begegnet.

Osteuropa hart von der Finanzkrise betroffen
In Osteuropa musste die Pfleiderer AG einen Umsatzrückgang um 39,4% auf 124,9 Mio. Euro hinnehmen. Darin wirkten Wechselkurseffekte mit -42,1 Mio. Euro bzw. 21 Prozentpunkten. Der Umsatzrückgang resultiert darüber hinaus aus einer schrumpfenden Nachfrage der Möbelindustrie aufgrund der ernsthaften Folgen der Finanzmarktkrise auf diese aufstrebende Region verbunden mit einem hohen Preisverfall. Von den Entwicklungen sind Polen und Russland gleichermaßen betroffen, wobei sich die Lage in Russland als schwieriger darstellt. Im Berichtzeitraum hat sich der Absatz von MDF in Polen noch vergleichsweise am besten gehalten, wobei auch in dieser Produktsparte Umsatzrückgänge zu verzeichnen sind. Das EBIT erreichte in der Region Osteuropa im ersten Halbjahr 2009 2,0 Mio. Euro nach 12,0 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

Nordamerika im zweiten Quartal mit positivem Ergebnis
Auf den nordamerikanischen Absatzmärkten konnte der Umsatz im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 0,5% auf 211,5 Mio. Euro gesteigert werden. Dieses Wachstum wurde vor allem durch die Produktsparte Fußbodenbeläge erzielt, in der Pergo Marktanteile in einem schrumpfenden Markt weiter ausgebaut hat. Der Absatz von Platten schrumpfte hingegen, allerdings weniger als der Marktdurchschnitt. Insbesondere bei MDF und HDF konnte die Pfleiderer AG leicht zulegen, wohingegen die Rohspanmengen abnahmen. Das EBIT erreichte in der Berichtsperiode insgesamt 8,8 Mio. Euro nach einem Verlust von 13,2 Mio. Euro im Vorjahr. Eine Ertragswende zeichnete sich im zweiten Quartal ab, in dem der Umsatz noch deutlicher im Vorjahresvergleich um 7,5 Prozent auf 107,0 Mio. Euro trotz anhaltender Rezession gesteigert werden konnte. Hier wurde mit einem EBIT in Höhe von 2,8 Mio. Euro (Q2 2008: -14,3 Mio. Euro) ein positives Ergebnis erzielt. Im vierten Quartal soll das neue MDF-Werk in Moncure/USA planmäßig in Betrieb gehen und die Kostenposition in Nordamerika noch weiter verbessern.

Niedriges Ertragsniveau führt zu höherer Verschuldung
Im ersten Halbjahr flossen aus laufender Geschäftstätigkeit 54,0 Mio. Euro ab, verglichen mit einem Zufluss von 35,5 Mio. Euro vor einem Jahr. Für diesen negativen Cashflow waren unter anderem das um 32,2 Mio. Euro niedrigere EBIT verantwortlich sowie die Veränderung kurzfristiger Passiva. Letztere beinhalten insbesondere einen Rückgang der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen um 57,6 Mio. Euro. Die Nettoverschuldung des Konzerns stieg gegenüber Jahresende 2008 von 635,5 Mio. Euro auf 797,5 Mio. Euro, wodurch das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital (Gearing) auf 114,5% anzog.

Vor dem Hintergrund der rückläufigen Märkte hat die Pfleiderer AG auch die Investitionen inklusive der geleisteten Anzahlungen zurückgefahren. Diese sanken im ersten Halbjahr 2009 gegenüber der Vorjahresperiode um 12,8% auf 61,8 Mio. Euro. Davon entfielen 10,4 Mio. Euro auf die Region Westeuropa. In Nordamerika wurden 32,8 Mio. Euro aufgewendet, wovon der Großteil für den Aufbau des MDF-Werkes in Moncure abfloss. In Osteuropa wirkten in den Investitionen in Höhe von 17,3 Mio. Euro die Ausgaben für den Aufbau des MDF-Werks in Novgorod/Russland, für das der Zeitpunkt der Inbetriebnahme nach wie vor nicht konkretisiert werden kann. (Quelle: Pfleiderer AG)


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