Österreich: Papierindustrie fordert Allianz
Papierindustrie fordert Allianz für Klimaschutz und Arbeitsplätze
* Schlüsselentscheidung im Umweltausschuss des EU-Parlaments
* Versteigerung der CO2-Zertifikate wäre innovationsfeindlich und schwächt Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Betriebe
* Austropapier für Gratiszuteilung auf Basis von Energie-Benchmarks
Für die vollständige Gratiszuteilung von CO2-Zertifikaten auch in der dritten Phase des EU-Emissionshandels ab 2013 sprachen sich Spitzenvertreter der österreichischen Papierindustrie im Rahmen eines Medienseminars aus. „Tempo darf jetzt nicht vor Substanz gehen. Die geplante umfassende Versteigerung bedroht unsere Wettbewerbsfähigkeit, ohne einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Wir können die Kostenbelastung nicht auffangen und brauchen rasch eine starke Allianz für Klimaschutz und Arbeitsplätze. Unsere Bundesregierung und unsere Vertreter im Europäischen Parlament müssen jetzt Entschlossenheit zeigen und sich für eine gesicherte und freie Zuteilung für die export- und energieintensive Industrie einsetzen, so lange es kein verbindliches internationales Klimaabkommen mit vergleichbaren Verpflichtungen gibt“, forderte Dkfm. Wolfgang Pfarl, Präsident der Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie.
Anlässlich der Abstimmung im Umweltausschuss des EU-Parlaments und wichtiger Vorentscheidungen im EU-Rat betonte Pfarl die hohe Bedeutung international verbindlicher Vereinbarungen für den Klimaschutz. „Für Betriebe außerhalb der Europäischen Union, die keinen vergleichbaren Vorgaben unterliegen, fallen diese Kosten nicht an, sie hätten einen deutlichen Marktvorteil. Es geht nicht um einen Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie – das ist eine wichtige industriepolitische Weichenstellung, die festlegt, ob wir in Europa weiterhin konkurrenzfähig sein werden, oder nicht“, so der Austropapier-Präsident. Nach dem Willen der Europäischen Kommission soll die Industrie ab 2013 schrittweise die Emissionszertifikate in Auktionierungen kaufen müssen. Dadurch werden sich die Produktionskosten in einzelnen Branchen, so auch der Papierindustrie, deutlich erhöhen. Entlastungen für energieintensive Betriebe sind derzeit Gegenstand intensiver Diskussionen.
„Die Papierindustrie ist eine Leitbranche der „Low Carbon Economy“ mit nachweislich höchster Energieeffizienz und hohem Bioenergie- Anteil. Wir produzieren bereits heute sehr emissionsarm. Klimaschutz darf für uns nicht zum Standortkiller werden! Als exportintensiver Sektor müssen sich unsere Betriebe auf globalen Märkten behaupten, daher können wir einseitige Kostensteigerungen nicht ausreichend über den Produktpreis weitergeben. Wenn alle Zertifikate gekauft werden müssen, wäre die Papierherstellung in Österreich nicht mehr kostendeckend, was zu einer Verlagerung der Investitionen und somit zu einem Verlust von Standorten und Arbeitsplätzen führen würde. Das wäre nicht nur ökonomisch schädlich, weil hochwertige Jobs verloren gingen, sondern auch ökologisch, weil die Emissionen verstärkt an anderer Stelle entstehen. Österreich wäre gegenüber Ländern mit geringeren Umweltstandards nicht mehr wettbewerbsfähig“, unterstrich DI Dr. Max Oberhumer, Geschäftsführer der Sappi Austria Produktions Ges.m.b.H. und Austropapier-Energiesprecher.
DI Franz Tauber, Technischer Direktor Mondi Europe & International und Präsident der ÖZEPA, der Österreichischen Vereinigung der Zellstoff- und Papierchemiker und –techniker, stellte klar: „Der verpflichtende Kauf der Zertifikate, auch für die Eigenerzeugung von Strom in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, würde die österreichische Papierindustrie mit jährlichen Kosten von bis zu 100 Millionen Euro belasten, abhängig vom tatsächlichen Ausmaß der Auktionierung und dem CO2-Preis. Dazu kommen die Mehrkosten durch steigende Energiekosten sowie durch die Verteuerung der Rohstoffe Holz und Altpapier. Das würde die Gewinne der Unternehmen vernichten und ihnen keine Luft für notwendige Investitionen lassen. Wir wollen aber nicht nur unsere Standorte für die Zukunft absichern, sondern auch nachhaltige Innovationen für emissionsärmere Technologien forcieren.“
Auch DI Mark Lunabba, Vorstandsdirektor der SCA Graphic Laakirchen AG, und MMag. Peter Oswald, CEO Mondi Europe & International, warnten vor den Folgen einer vollen Auktionierung und forderten die Anwendung anspruchsvoller, EU-weit einheitlicher Emissionsstandards. „Für den Klimaschutz ist nichts gewonnen, wenn Arbeitsplätze exportiert und Emissionen importiert werden. Es kann nicht Aufgabe der Klimapolitik sein, den Unternehmen Finanzmittel zu entziehen und damit Budgetsanierung auf Kosten der Industrie zu betreiben. Die Führungsrolle der EU im Klimaschutz ist richtig – aber nur wenn andere wichtige Wirtschaftsräume wie die USA, China, Indien, Lateinamerika oder der mittlere Osten mitziehen und vergleichbare Vorgaben beschließen! Wir brauchen eine solide Regelung im internationalen Wettbewerb, die ökologischen, aber auch ökonomischen Ansprüchen gerecht wird. So könnten etwa auf Basis anspruchsvoller Energie-Benchmarks die Unternehmen, die Technologie-Vorbilder sind, volle Gratiszuteilung erhalten, für andere wären dies wichtige Impulse für Effizienzverbesserungen“ so Oswald und Lunabba abschließend. (Quelle: Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie)
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