Österr Holzindustrie: Rückgänge in allen Bereichen
• Produktionsrückgang 2009 um -16,4 %, Aufholprozess bereits im Gang
• Holzindustrie bleibt weiterhin ein bedeutender und sicherer Arbeitgeber - auch in schwierigen Zeiten
• Investitionen in die Ausbildung: mit dem neuen Lehrberuf „Holztechnik“ und in den Standort Kuchl mit EUR 16,5 Mio.
• Rohstoffversorgung: Holz wächst nach und ist ausreichend vorhanden, dennoch Engpässe aufgrund mangelnden Einschlags des Forstes
• Aktionsprogramm Wood 2020, Visionen für Holz und Holzanwendung
Selten zuvor sind ungünstige Parameter in einer derartigen Konzentration zusammen gekommen und haben die Wirtschaft nachhaltig geschwächt. Viele dieser Faktoren haben die Holzindustrie massiv betroffen, was sich auch in den Zahlen widerspiegelt. Das Wegbrechen wesentlicher Exportmärkte, das Platzen der Immobilienblase auf wichtigen Zieldestinationen der Holzindustrie, damit verbunden ein Rückgang der Neubautätigkeit und schließlich hochverschuldete öffentliche Haushalte, deren Handlungsfähigkeit dadurch stark beeinträchtigt ist. Österreichs Holzindustrie verzeichnete im vergangenen Jahr einen Produktionsrückgang von -16,4 % auf EUR 6,12 Mrd.. Die positive Entwicklung der letzten Jahre wurde somit gestoppt. Interessant ist allerdings der industrieatypische Verlauf. Während in der Industrie insgesamt vor allem das 2. und 3. Quartal 2009 besonders rückläufig waren, waren in der Holzindustrie bereits im letzten Quartal 2008 deutliche Abschwächungstendenzen zu verzeichnen. Am stärksten rückläufig war dann das 1. Quartal 2009 mit -26,1 %. Von Quartal zu Quartal fiel diese Abschwächung allerdings geringer aus, -4,1 % im letzten Quartal 2009. Eine gewisse Erholung gab es durch vermehrte Sanierungs- und Renovierungsaktivitäten. Dieser kontinuierliche Aufholprozess zeigt sich auch in den anderen bauabhängigen Branchen. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, lässt sich allerdings noch nicht mit Bestimmtheit sagen.
Im Außenhandel stehen die Vorzeichen auf Minus: Exporte -16,4 %, Importe -7 %
Als stark außenhandelsorientierte Branche mit einer Exportquote von 74 % - überproportional tragen dazu Nadelschnittholz, Leimholz, Holzwerkstoffe (Platten) und Ski bei - betrug der Gesamtexport 2009 EUR 4,56 Mrd., -16,4 %. Der wichtigste Abnehmer österreichischer Holzprodukte mit rund 76 % (EUR 3,48 Mrd.) war die EU, insbesondere Deutschland und Italien. Der Anteil der USA und Japan beträgt 8,7 %. Rückläufig auch der Import mit EUR 3,14 Mrd.(-7 %), wo auch hier die EU zum wichtigsten Handels-partner mit einem Anteil von rund 87,2 % zählt.
Handelsbilanz: Der Außenhandel ist ein wesentliches Standbein der österreichischen Holzindustrie. Die Holzindustrie ist einer der wenigen Industriezweige, die in den vergangenen Jahren eine kontinuierlich positive Handelsbilanz aufwies. Gemeinsam mit den anderen Bereichen der Wertschöpfungskette Holz- und Forstwirtschaft befand sich der Außenhandelsüberschuss auf einem annähernd gleichen Niveau wie der Tourismus. Aufgrund der weltweiten schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konnte eine Steigerung, so wie bereits im Vorjahr, nicht mehr erzielt werden. Der Außenhandel weist jedoch weiterhin eine positive Bilanz mit EUR 1,43 Mrd. auf, allerdings mit einem Rückgang von 33,2 %.
Holzindustrie beweist sich als sicherer Arbeitgeber in schwierigen Zeiten
Die Holzindustrie ist als bedeutender und sicherer Arbeitgeber bekannt und beschäftigte 27.875 Personen im Vorjahr (2008: 30.846). Auch wenn dies einen Verlust von rund 3.000 Arbeitplätzen bedeutet, bleibt die Reduktion insgesamt unter 10 % (-9,7 %) und somit im Vergleich zu vielen anderen Branchen noch „relativ“ gering. Die Holzindustrie zählt weiterhin zu den größten Arbeitgebern aller 17 Industriezweige Österreichs und ist eine der wenigen Industriebranchen, in der die Anzahl der Beschäftigten traditionell durch Jahrzehnte auf einem stabilen Niveau geblieben ist. Die 1.547 Betriebe sind KMU´s und befinden sich fast ausschließlich in privater Hand. Diese außergewöhnliche Struktur trägt auch dazu bei, dass man als Arbeitgeber in strukturschwachen Gegenden eine soziale Verantwortung übernimmt.
Investitionen in den Nachwuchs durch neuen Lehrberuf und Ausbau des HTK Kuchl mit EUR 16,5 Mio.
Die Ausbildung zählt zu jenen Bereichen, in die zukünftig noch stärker investiert werden muss. Insgesamt bietet die Holzindustrie bereits ein durchgängiges Ausbildungskonzept von der Berufsschule über die Fachschule und HTL’s bis zu FH-Studienlehrgängen an. Neuer Lehrberuf „Holztechnik“: die Lehrlingsausbildungsleistung der gesamten Holzindustrie (Lehrlinge bezogen auf alle Beschäftigte) beträgt rund 2,6 % (738 Lehrlinge) und ist somit geringer als die der Gesamtindustrie mit ca. 5 %. Um die Jugendlichen für Jobs mit Zukunft zu begeistern, wurde EUR 16,5 Mio. in den Ausbau des Schulstandortes in Kuchl investiert. Der Bau einer Werkhalle wird im Oktober 2010 fertig gestellt. Danach sind neue Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie die Generalsanierung der bestehenden Schule geplant. Um das Interesse an der Lehre aufrecht zu erhalten, bedarf es aber auch attraktiver Ausbildungsangebote, wie den neuen Lehrberuf „Holztechnik“. Dieser berücksichtigt die gesamte Holzwertschöpfungskette und spannt einen Bogen über alle Berufsgruppen, von Säge bis Möbel. In einem nächsten Schritt soll der Lehrberuf noch weiter verbessert werden durch Ergänzungen im Bereich „Qualitätsmanagement“.
Holz als Bau– und Werkstoff der Zukunft im Wettbewerb mit anderen Materialien
In Zeiten schrumpfender Märkte wird der Wettbewerb der Bau- und Werkstoffe härter werden. Die Holzindustrie muss sich diesen geänderten Umfeldbedingungen stellen und darauf reagieren. Gerade jetzt gilt es, durch engagierte Forschung und Entwicklung adaptierte anwenderfreundliche Normen und Regelwerke zu fördern. Die österreichische, viel mehr noch die europäische Normung, beeinflusst maßgeblich unsere Rahmenbedingungen. Normung, ist ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor, insbesondere im Verhältnis auch zu den anderen Baumaterialien. Nationale und europäische Normung werden in Zukunft ein wichtiger Tätigkeitsschwerpunkt. Nachhaltigkeitskriterien, bzw. „Total Quality Building Standards“ werden derzeit aufgrund besonderer Lobbyinganstrengungen maßgeblich von anderen Materialien beeinflusst. Auch in der Klimaschutzdebatte haben Holz- und Holzprodukte nicht den Stellenwert, der ihnen aufgrund ihrer naturgegebenen Eigenschaften zukommt. Holz ist der einzige erneuerbare Baustoff und leistet dadurch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Dies muss von uns noch viel stärker in der breiten Öffentlichkeit kommuniziert werden.
Rohstoffversorgung: Holz wächst mehr nach, als wir verbrauchen, dennoch gibt es Engpässe in der Versorgung
Die Holzversorgung der österreichischen Sägeindustrie war schon 2009 äußerst schwierig und bereitet auch 2010 größte Sorge. Der Rundholzvorrat der Sägeindustrie erreichte zu Beginn des Jahres 2010 historische Tiefststände. Aus dem Inland bekommt die gesamte Holzindustrie zu wenig Holz und der Holzeinschlag wurde 2009 zu stark reduziert. Die Ursache dafür liegt in der kleinbäuerlichen Besitzstrukur des Forstes, wodurch eine kontinuierliche Nutzung nicht gewährleistet ist. Zusätzlich gefährden zunehmende Nutzungsbeschränkungen eine ausreichende Holzversorgung. Auch die stärkere Biomassenutzung zu energetischen Zwecken schränkt das vorhandene Holzpotenzial weiter ein. Gleichzeitig ist fast die Hälfte der Bundesfläche Österreichs, nämlich 47 %, mit Wald bedeckt und es wächst jährlich 1/3 mehr nach, als wir verbrauchen. Als Beitrag zum Klimaschutz muss die Nutzung von Holz daher gesteigert werden. Denn die CO2-Bindung im Wald erfolgt in der Wachstumsphase, aber auch die aus dem Wald erzeugten Holzprodukte speichern während ihres Lebenszyklus 0,9 Tonnen CO2 pro m3!
Zukunftsstrategien
„Wir müssen uns bewusst sein, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Österreich, Europa und der Welt für unsere Betriebe wahrscheinlich noch schwieriger werden“, so Erich Wiesner, Fachverbandsobmann der Holzindustrie in der heutigen Pressekonferenz. „Die Baukonjunktur, die uns alle betrifft, wird durch die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen der öffentlichen Budgets leiden, der Privatkonsum wird zurückgehen, weil höhere Steuern das verfügbare Einkommen schmälern. Der Wettbewerb zwischen den Materialien um den kleiner werdenden Kuchen wird sich meines Erachtens weiter drastisch verschärfen.“ Umso mehr gilt es die USP´s von Holz – Nachhaltigkeit, CO2-Reduktion, und Energieeffizienz zu betonen und der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Holz ist vielseitig einsetzbar, von der energetischen Sanierung bis zu mehrgeschossige Bauten.
Folgende Schwerpunkte ergeben sich für die Zukunft:
• Teilnahme der Holzindustrie an europäischen ForschungsinitiativenEuropa erlässt wesentliche, für das Baugeschehen relevante Richtlinien und Verordnungen. Hier müssen die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet und die Regelwerke in nationales Recht umgesetzt werden (Bauproduktenrichtlinie, Energieeffizienzrichtlinie, etc.)
• Europäische Normung: durch aktive Teilnahme an internationalen Normungsprozessen sollen leicht verständliche und anwenderfreundliche Normen geschaffen werden
• „Club du Bois“ in Strassburg: initiiert von der österreichischen Holzindustrie und dient als Plattform für den direkten Austausch mit europäischen Parlamentariern. Soll in Zukunft noch intensiver genutzt werden.
• USP´s von Holz – Nachhaltigkeit, CO2-Reduktion, und Energieeffizienz / Marketing und PR
• Erschließung neuer Exportmärkte, vor allem in Südost-Europa (Wissens-, Anwender- und Rohstofftransfer)
(Quelle: Fachverband der Holzindustrie Österreichs)
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