Ligna: "Bachelor und Master" in der Diskussion
Experten diskutieren über den Bologna-Prozess auf der Fachmesse Ligna
Auf Einladung der Hochschule Rosenheim und der Berner Fachhochschule diskutierten auf der Ligna Experten aus Hochschule, Industrie und Handwerk über die zukünftige akademische Ausbildung in der Holzbranche. Redakteur Johannes Niestrath vom Fachmagazin dds moderierte die Podiumsdiskussion in der Arena „Karriere mit Holz“ und konfrontierte das Publikum zu Beginn mit einem Zitat aus der Wochenzeitung „Die Zeit“, die unlängst titelte: „Macht studieren dumm?“
„Bachelor und Master sind aktuell in den Medien beliebte Reizworte und Themengeber“, so Niestrath. „Die Berichterstattung ist allerdings einseitig negativ geprägt. Das Diplom war viele Jahre lang eine international harte Währung und ist es noch heute. Bologna verunsichert Studierende und ihre potenziellen Arbeitgeber. Dies ist nachvollziehbar, trägt aber verstärkt dazu bei, dass die Chancen des neuen Systems erst auf den zweiten Blick gesehen werden.“
Die Podiumsteilnehmer skizzierten aus ihrem Expertenwissen ein durchaus positives Bild der zweistufigen akademischen Ausbildung:
Prof. Heinrich Köster, Vizepräsident der Hochschule Rosenheim, argumentierte mit der Förderung der internationalen Kompetenz, die sich die Studierenden immer mehr auch über ein Praktikum im Ausland holen: „Das System Bachelor und Master soll unter anderem die Anerkennung der Studienleistungen international erleichtern. So können Studierende nach einem Bachelor an der gleichen oder an einer anderen Hochschule den Master draufsetzen.“
Heinrich Köster hat zusammen mit Heinz Müller, Direktor des Departements Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule (Schweiz), einen gemeinsamen Masterstudiengang ins Leben gerufen. Die Kooperation einer deutschen und einer schweizerischen Hochschule zeigt bereits den Weg in die internationale Zukunft. „Durch die verschiedenen Vertiefungsrichtungen, bei uns Master Research Units (MRU) genannt, die an den beiden Hochschulen angeboten werden, können sich die Studierenden ihre Studieninhalte selbst zusammenstellen. Diese Freiheit gewährt ein individuelles Studium“, betont Prof. Dr. Frieder Scholz, Studiengangsleiter Holztechnik-Master in Rosenheim.
Heinz Müller stellt die Berufsqualifikation beider Abschlüsse in den Vordergrund: Der Bachelor ist ein General-Studium, das die Basis abdeckt. Im Master wählt man eine individuelle Spezialisierung. „Wichtig ist, dass die Umstellung kein Etikettenschwindel ist. Die Module wurden outputorientiert gestaltet. Das zeigt den zusätzlichen Nutzen des neuen Models. Alles wurde neu überarbeitet. Der Wandel war nötig!“, so Müller.
Prof. Martin Stosch von der Hochschule Ostwestfalen Lippe hob hervor, dass sich der zweistufige Studiengang besser an den Anforderungen der Industrie orientieren könne, was den Praxisbezug des Studiums erhöhe.
Dr. Christian Wenzler, Geschäftsführer des Fachverbandes Schreinerhandwerk, sucht für die Branche Generalisten, die die ganze Bandbreite des Unternehmens erfassen können. Das sei eine seiner grundlegenden Erwartungen an eine akademische Ausbildung, die sich als gute Ergänzung zur handwerklichen Ausbildung verstehe: „Führungsaufgaben im Handwerk werden immer komplexer. Die Betriebe haben teils über 300 Mann und sind international tätig. Da sind wir offen für Ingenieure mit Bachelor- wie auch Master-Abschluss.“
Konstantin Mayr, einer der ersten Master-Absolventen der Holztechnik in Rosenheim, berichtet von positiven Erfahrungen im Berufsalltag und unterstreicht die Wichtigkeit der Spezifikation des Masters: „Die Bewusstseinserweiterung, die mir der Master in speziellen Bereichen gebracht hat, ermöglicht mir im Beruf die Richtung einzuschlagen, die ich forciere. Mit einer geringeren Qualifikation könnte ich den Job sicher auch bewältigen, allerdings würde ich manche Aufgaben nicht in gleicher Weise angehen können, wie es mir durch die Spezifikation möglich ist.“
Harald Sieber, Geschäftsführer der Firma Schuler Business Solution, begrüßt den starken Praxisbezug und den frühen Arbeitseinstieg, den der Bachelor ermöglicht: „Es ist toll, dass gerade an den Fachhochschulen der große Praxisbezug herausgearbeitet wird. Mit dem Bachelor können die Studierenden schon frühzeitig qualifiziert in die Industrie gehen.“ Zum Vergleich: In Kanada steigen Absolventen bereits mit 23 Jahren in den Beruf ein. In Deutschland sind sie durchschnittlich 26,5 Jahre alt, ergänzt Prof. Köster, der dort bereits vor 13 Jahren ein Bachelor-Studium Holztechnik aufgebaut hat.
Am Schluss der Podiumsdiskussion stand die Frage: „Wo stehen wir mit Bachelor und Master in zehn Jahren?“ Ähnlich, wie man sich nach dem graduierten Ingenieur an den Diplomingenieur gewöhnt habe und nach der D-Mark an den Euro, werde es auch mit dem zweistufigen Studium gehen, so die einhellige Meinung der Podiumsgäste: „Wichtiger als die Namen der Abschlüsse sind die Inhalte!“ Hier sei man mit Bachelor und Master auf einem guten Weg in die Zukunft. (Quelle: Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Rosenheim)
