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Lenzing AG: Neues, absolutes Rekordergebnis

Vorläufige Zahlen 2010 zeigen stärkstes Umsatz- und Ergebniswachstum der Geschichte
Positiver Ausblick 2011 und für die kommenden Jahre aufgrund des „Cellulose Gap“


Die Lenzing Gruppe, ein Weltmarktführer bei Man-made Cellulosefasern für die Textil- und Nonwovens-Industrie, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 nach vorläufigen Zahlen ein neues, absolutes Rekordergebnis erzielt. Ausschlaggebend dafür waren vor allem der dynamische Ausbau der Faserproduktion, eine sehr starke Nachfrage nach Lenzing Fasern und die gegenüber dem Vorjahr signifikant höheren Faserverkaufspreise. Der vorläufige konsolidierte Konzernumsatz(1) stieg um 45 % von 1,22 Mrd. EUR(2) auf 1,77 Mrd. EUR. Das vorläufige Konzern-EBITDA verbesserte sich um 76 % von 187,9 Mio. EUR auf 330,6 Mio. EUR. Das vorläufige Konzern-Betriebsergebnis (EBIT) konnte von 114,2 Mio. EUR um 103 % auf 231,9 Mio. EUR mehr als verdoppelt werden. Damit wurden nach vorläufigen Zahlen bei allen relevanten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen die höchsten Steigerungsraten in der Geschichte der Lenzing Gruppe erzielt.

„2010 haben wir die Früchte des Expansionskurses der letzten Jahre geerntet. Wir hätten aber noch deutlich mehr Fasern absetzen können, als wir produziert haben. Das Geschäftsjahr 2010 war aus unserer Sicht also kein Strohfeuer, sondern der Beginn einer langen Aufwärtsentwicklung der Branchenkonjunktur für Man-made Cellulosefasern. Grund ist die zunehmende strukturelle Unterversorgung des Weltmarktes mit Baumwolle, die bei Textilherstellern verstärkt zu einem Umstieg auf Alternativen wie Lenzing Fasern führt“, kommentiert Lenzing Vorstandsvorsitzender Peter Untersperger die vorläufigen Zahlen 2010.

Aus diesem Grund wurden 2010 die Weichen für das bisher größte Expansionsprogramm der Lenzing Gruppe gestellt. Vor allem durch Erweiterungs- und Umbauinvestitionen plant Lenzing, die Faserproduktionskapazität von rund 710.000 Tonnen zum Jahreswechsel 2010/11 bis Ende 2014 um rund 300.000 Tonnen auf über eine Million Tonnen zu steigern. Zusätzlich plant Lenzing, den Eigenversorgungsgrad mit dem wichtigsten Rohstoff Zellstoff von derzeit 40 % auf über zwei Drittel zu erweitern. Inklusive Erhaltungsinvestitionen plant Lenzing bis 2014 ca. 1,5 Mrd. EUR zu investieren.


Segment Fibers als Wachstumsträger des Konzerns
Wachstumsträger der Lenzing Gruppe war 2010 mit einem Umsatzanteil von rund 90 % einmal mehr das Kerngeschäft Fasern. Der globale Textilfasermarkt war 2010 nach ersten Schätzungen von einer dynamischen Aufwärtsentwicklung geprägt. Demnach stieg die weltweite Faserproduktion um 8,7% auf 73,2 Mio. Tonnen, womit die letzte Rekordproduktion im Jahr 2007 (72,3 Mio. Tonnen) deutlich übertroffen wurde. Die Produktion von Man-made Cellulosefasern erreichte nach ersten Schätzungen weltweit mit 4,2 Mio. Tonnen (plus 12,9 %) ein neues All-Time-High.(3) Die Baumwollproduktion stieg zwar gegenüber dem sehr schwachen Vorjahr um 13,0 % auf 24,7 Mio. Tonnen an, dadurch konnte aber die Nachfrage nicht voll befriedigt werden. Die Überschwemmungen in Pakistan, Indien und zuletzt Australien verschärfen die Situation zusätzlich. Die Baumwollpreise – als Referenzpreise für die gesamte Faserindustrie – verzeichneten als Folge einen bisher nie gekannten Aufwärtstrend. Seit Jahresbeginn 2010 stieg der Cotton „A“ Index um 180 % auf 219,50 ct/lbs.

„Wir haben für die Inbetriebnahme der vierten Linie bei unserer Tochter PT. South Pacific Viscose (SPV) in Indonesien den richtigen Zeitpunkt getroffen. Hinzu kamen Debottlenecking-Programme bei unserer Viscosefaserfabrik Nanjing/China und bei SPV. Aber selbst mit dieser dynamischen Expansion konnten wir die starke Nachfrage nach Lenzing Fasern nicht zur Gänze abdecken“, so der für das Fasergeschäft zuständige Vorstand Friedrich Weninger. Insgesamt konnte Lenzing die Faserproduktionskapazität von 605.000 Tonnen auf aktuell rund 710.000 Tonnen anheben.

Im Zellstoffbereich war der Kauf von 75 % der Anteile des Zellstoffwerkes Biocel Paskov (Tschechien) ein wichtiger Meilenstein. Mit einem umfassenden Investitionsprogramm wird Paskov derzeit zu einem Swing Capacity-Zellstoffwerk umgebaut, das künftig sowohl Papier- als auch Faserzellstoff herstellen kann. Die Faserpreisentwicklung folgte 2010 im Wesentlichen der starken Nachfrage und der sich ab dem Spätsommer abzeichnenden physischen Verknappung bei Baumwolle. Lenzing konnte mit mehreren Preiserhöhungen den Faserpreistrend nutzen und damit die steigenden Rohstoffpreise bei Zellstoff, Holz und Chemikalien gut abfangen. „Wir haben aber ganz bewusst nicht unsere Preise eins zu eins der Baumwollpreisentwicklung angepasst, da wir uns als langfristig orientierter und verantwortungsvoller Partner für unsere Kunden verstehen“, ergänzte Weninger. Die starke Nachfrage nach Lenzing Fasern zog sich quer über alle Geschäftsfelder im textilen Bereich und bei Nonwovens hinweg. Neu eingeführt wurden Produkte wie die Spezialfaser TENCEL® C, die durch Beimengung von Mikropartikeln (Chitosan) besonders hautfreundliche Eigenschaften aufweist. Im technischen Bereich gelang 2010 der Durchbruch mit neuen Anwendungen von TENCEL® Pulver in Schaumstoffmatratzen.


Segmente Plastics Products und Engineering mit guter Entwicklung
Im Segment Plastics Products konnte nach dem sehr schwierigen Jahr 2009 nach vorläufigen Zahlen 2010 mit einem Umsatz von 144,6 Mio. EUR (2009: 110,6 Mio. EUR) wieder eine deutliche Verbesserung bei der Mengennachfrage festgestellt werden. Bessere Auftragseingänge und die umgesetzten Kostenoptimierungen ermöglichten eine EBITDA-Margensteigerung im Geschäftsjahr 2010 auf 10 % (2009: 7 %). Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft cellulosische Fasern wurde das Kunststoff-Filamentgeschäft im Februar 2011 erfolgreich abgeschlossen. Die Zahlen für 2010 als auch 2009 sind ohne diesen Geschäftsteil dargestellt. Im Segment Engineering stiegen nach vorläufigen Zahlen aufgrund der deutlich verbesserten Auftragslage die Gesamtumsätze auf 91,2 Mio. EUR (nach 81,5 Mio. EUR), wobei die Umsätze mit Kunden außerhalb der Lenzing Gruppe 37,7 Mio. EUR betrugen (nach 29,5 Mio. EUR). Das Segment-EBITDA verbesserte sich auf 9,1 Mio. EUR (nach 4,1 Mio. EUR im Vorjahr).


Solide finanzielle Basis trotz hoher Investitionen
Die gute Ertragslage bildete 2010 auch die Basis für eine anhaltend solide Bilanzstruktur trotz hoher Investitionen. So konnte Lenzing die Nettoverschuldung von 315,7 Mio. EUR im Jahr 2009 auf 307,2 Mio. EUR im Jahr 2010 kontinuierlich zurückfahren, während sich das Geschäftsvolumen um 45 % ausgedehnt hat. Die Investitionen(4) betrugen 285,1 Mio. EUR (nach 165,6 Mio. EUR im Jahr zuvor) und betrafen vor allem den Ausbau der Faserkapazitäten sowie der Energieversorgung der Produktionsstandorte sowie den 75 %-Erwerb der Zellstofffabrik Biocel Paskov. „Mit einer Nettoverschuldung von weniger als einem Jahres-EBITDA und liquiden Mitteln sowie Kreditlinien von über einer halben Milliarde Euro sind wir bereits heute sehr gut für die Umsetzung unseres ehrgeizigen Investitionsprogrammes gerüstet“, fasst Finanzvorstand Thomas Winkler die Finanzsituation der Lenzing Gruppe zusammen. „Lenzing ist gewöhnt, zweistellig zu wachsen und hat sich in den letzten 10 Jahren als extrem krisenresistent erwiesen“, so Winkler weiter.


Ausblick
Der Aufwärtstrend am globalen Fasermarkt hielt vor dem Hintergrund einer insgesamt zufriedenstellenden weltwirtschaftlichen Entwicklung auch in den ersten Wochen des angelaufenen Geschäftsjahres 2011 an. Die Verknappung bei Baumwolle führte zu neuen historischen Höchstständen beim Baumwollpreis. Die Auftragslage der Lenzing Gruppe war zu Jahresbeginn 2011 erfreulich, die Faser- und Zellstoffproduktion lief an allen Standorten bei Vollauslastung auf Hochtouren. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Lenzing, bei einer Produktionserweiterung von ca. 10 % im Vergleich zu 2010, einem gleichbleibenden Preisniveau wie am Anfang des Geschäftsjahres 2011 und einem moderaten Kostenanstieg, mit einer Umsatzsteigerung von 15 bis 20 % sowie einer weiteren Verbesserung der EBIT- und EBITDA-Margen. Das Verhältnis der Investitionen zum Umsatz wird bei rund 15 % im Jahr 2011 liegen. Im Hinblick auf das kapitalintensive Ausbauprogramm plant der Vorstand, dem Aufsichtsrat und der Hauptversammlung eine Ausschüttungsquote von etwa 25 % bezogen auf den Konzernjahresüberschuss (nach Minderheiten) vorzuschlagen.

(1) Fortgeführte Geschäftsbereiche, alle Zahlen vorläufig
(2) 2009: angepasste Werte
(3) Quellen: Cirfs, Gherzi, Lenzing Estimates, Fiber Economics Bureau, Cotton Outlook
(4) In Sach- und Finanzanlagen sowie immat. Vermögensgegenstände

(Quelle: Lenzing Aktiengesellschaft - 02/2011)


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