Italien: Flaute bei Holzbearbeitungsmaschinen
Holz gewinnt als Baustoff an Bedeutung / Belebung erst 2010
Von Thesy Kness-Bastaroli
Mailand (gtai) - Nach einem äußerst flauen ersten Halbjahr 2009 erwarten Italiens Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen im zweiten Halbjahr eine Stabilisierung der Ergebnisse auf dem niedrigen Niveau der vorangegangenen Monate. Eine zaghafte Belebung wird erst 2010 erwartet. "Es werden Jahre verstreichen, bis der Stand von 2007/08 erreicht wird", heißt es in der Fachverbandsprognose. Laut einer Umfrage fiel der Ordereingang im zweiten Quartal um 53% zurück. Bei den Auslandsaufträgen fiel das Minus mit 58% stärker aus als bei den Inlandsaufträgen.
Laut einer Umfrage des Fachverbandes für Holzbearbeitungsmaschinen Acimall bei seinen Mitgliedern erwarten zwei Drittel der Befragten in den Herbstmonaten 2009 eine Fortsetzung des negativen Produktionstrends. Nur 3% rechnen mit einer Produktionserholung. Der derzeitige Auftragsbestand ermöglicht zur Jahresmitte 2009 eine Auslastung von 1,2 Monaten. Dies sei der niedrigste Stand seit Jahren, heisst es in einer Mitteilung des Fachverbandes.
Die Aufträge aus dem Inland haben im zweiten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahresvergleich um weitere 35% nachgegeben. Im Vergleich zum ersten Quartal lag das Minus jedoch nur noch bei 2,3%. Die konjunkturellen Stützungsmaßnahmen für den Möbelsektor, steuerliche Begünstigungen bei der Akquisition von Einrichtungsgegenständen, haben laut Fachverbandsexperten zu einer gewissen Beruhigung der Lage am Inlandsmarkt geführt. 58% der Befragten erwarten im zweiten Halbjahr eine Stabilisierung der Auftragslage auf dem niedrigem Niveau des ersten Halbjahres.
Hoffnungen für ein Anziehen der Investitionstätigkeit gehen auch von den Anfang August verabschiedeten Antikrisenmaßnahmen aus. Reinvestierte Gewinne werden künftig in den Genuss von Steuererleichterungen von bis zu 50% gelangen. Die Steuerbegünstigungen betreffen jedoch nur Anlagen in neue Maschinen und den Zeitraum 1.Juli 2009 bis 30.Juni 2010. Wie der Generaldirektor des Fachverbandes Acimall bestätigte, betreffen die Steuererleichterungen auch importierte Maschinen und dürften ab 2010 auch den Importen neue Impulse verleihen. Diese bestreiten knapp 40% des im Jahr 2008 mit 512 Mio. Euro angegebenen Inlandsverbrauchs. Der Stellenwert der Einfuhren hat sich seit den 90er Jahren, als ihr Anteil am Verbrauch noch bei knapp über 20% lag, wesentlich erhöht.
Deutschland ist der wichtigste ausländische Lieferant für den italienischen Markt von Holzbearbeitungsmaschinen und bestreitet rund ein Drittel der gesamten Einfuhren. Die Importe insgesamt haben sich im Zeitraum Januar bis April 2009 um 41,5% gegenüber dem Vorjahresvergleich auf 35 Mio. Euro verringert. Im Jahr 2008 erhöhten sich die Einfuhren noch um 6,6% auf 195,6 Mio. Euro.
Die Exporte fielen bereits 2008 um 1% auf 1,5 Mrd. Euro zurück. Im Berichtszeitraum Januar bis April 2009 machte das Exportminus 45,5% aus. Italien ist nach Deutschland und vor der Volksrepublik China und Taiwan der weltweit zweitwichtigste Exporteur von Holzbearbeitungsmaschinen. Knapp über 80% des gesamten Produktionswertes werden exportiert.
Knapp 70% des Inlandabsatzes von Holzbearbeitungsmaschinen entfallen auf den Möbelbau. Im vergangenen Jahr hat sich der Inlandsbedarf an Möbeln um 4,9% auf 13,6 Mrd. Euro reduziert. Für das laufenden Jahr erwarten Branchenkenner einen weiteren Rückgang sowohl des Produktionswertes wie auch des Inlandsabsatzes. Laut Fachverbandsdirektor Gianni Zera hat die Regierung durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten beim Kauf von neuen Möbeln der Branche geholfen. "Dadurch konnte aber nur ein drastischer Rückgang verhindert werden, für eine echte Belebung müssen wir die zweite Jahreshälfte 2010 abwarten", kommentierte der Präsident des Fachverbandes Federlegno Assoredo, Rossario Messina die Maßnahmen. Das Anfang August zwischen dem Unternehmerverband und dem Bankenverband ausgehandelte "Schuldenmoratorium" verleiht den Unternehmen eine Verschnaufpause. Der Aufschub von Darlehensrückzahlungen und erleichterte Kreditgewährung soll den gebeutelten Kleinunternehmen und Handwerkern helfen, die Krise heil zu überstehen.
In Italien sind knapp 300 Hersteller mit dem Bau von Holzbearbeitungsmaschinen und -teilen tätig. 220 Unternehmen, die rund 90% der landesweiten Produktion bestreiten, sind im Fachverband Acimall vereint. Die Produktion ist in Italien stark fragmentiert. Symptomatisch ist die hohe Spezialisierung auf Nischenprodukte. Über 50 Unternehmen bestreiten einen Umsatz von weniger als eine Million Euro pro Jahr. 57% aller Branchenfirmen beschäftigen weniger als 60 Arbeitnehmer. Nur drei Großfirmen weisen einen Personalstand von über 250 Beschäftigten auf. Produktionszentrum ist die mittelitalienische Region Emilia Romagna, auf die 30% des landesweiten Umsatzes entfallen. An zweiter Stelle rangiert die Lombardei (27%), gefolgt von Venetien und der Marche. Der landesweit wichtigste Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen ist die SCM-Gruppe aus Rimini mit einem Jahresumsatz 2008 von 700 Mio. Euro. Rund 70% der Produktion werden exportiert. Das Unternehmen verfügt über 27 Produktionsstätten und beschäftigt 3.800 Personen.
Der Holzbau hat die Krise zwar später zu spüren bekommen als die meisten übrigen Bausparten. Während der Bedarf an Baustoffen am Inlandsmarkt 2008 um insgesamt ein Fünftel zurückfiel, machte das Minus bei Holz nur 5% aus. Infolge des umweltfreundlichen Charakters hat sich der Anteil des Baustoffes Holz am Bausektor innerhalb der vergangenen zehn Jahre auf 20% verdoppelt. Der Umsatz bestritt 2008 knapp drei Mrd. Euro. Auch infolge des Wiederaufbaues der erdbebengeschädigten Gebiete in der mittelitalienischen Region Abruzzen erwarten Branchenkenner in der zweiten Jahreshälfte 2009 bereits eine Belebung.
Das Wachstumspotenzial in diesem Sektor wird von Branchenkennern als überdurchschnittlich hoch bezeichnet. Der Holzbau bestreitet in Italien erst 0,5% Anteil am Wohnungsneubau. Der Holzverbrauch hat sich in den letzten Jahren von 0,08 cbm pro Bewohner auf 0,15 cbm nahezu verdoppelt. Bis 2010 soll er laut der Prognose des Fachverbandes Assolegno auf 0,18 cbm zunehmen. Impulse werden auch aus den anhaltend hohen Investitionen in die Wohnbausanierung erwartet. Da diese Investitionen steuerlich gefördert werden, haben sie weniger Einbussen erlitten als die Investitionen für Neubauwohnungen. (Quelle: gtai / Autor: Thesy Kness-Bastaroli)
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