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Insolvenzverfahren: Walzwerk Finow

Walzwerk Finow stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens

• Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit - Betrieb läuft weiter
• Wirtschaftskrise verzögert laufende Sanierung
• Geschäftsführung sieht gute Chancen, alle Arbeitsplätze zu sichern

29.06.09: Die Walzwerk Finow GmbH in Eberswalde beantragte beim zuständigen Amtsgericht in Frankfurt/Oder die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen. Grund ist die drohende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens. Die Geschäftsführung wird das operative Geschäft fortsetzen und sieht gute Chancen, die bestehenden Arbeitsplätze im traditionsreichen Werk zu sichern. Ein unabhängiges Gutachten hatte bereits vor einigen Monaten bestätigt, dass das Walzwerk Finow mit seinem Konzept zukunftsfähig ist.

„Eine stark gesunkene Nachfrage im Jahr 2009 und ein dramatischer Preisverfall im Stahlgeschäft haben zu einem akuten Liquiditätsengpass geführt,“ so Geschäftsführer Patrick von Hertzberg. „Da wir trotz intensiver Bemühungen keine Bank zu einer Zwischenfinanzierung bewegen konnten, blieb uns keine andere Wahl.“

Die Krise bei wichtigen Kunden in der Automobil- und Baubranche hat im Walzwerk Finow in diesem Jahr zu einem Umsatzeinbruch von rund 40% geführt. Damit wurde das Unternehmen mitten in seinem erfolgreich angelaufenen Sanierungsprogramm von der Krise getroffen. In jüngster Vergangenheit wurden rund 12 Mio. Euro in die Modernisierung des Standortes und in neue Produktionsanlagen investiert. Verbunden mit umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen ist das traditionsreiche Walzwerk gerade dabei, die Grundlagen zu schaffen, um sich langfristig wettbewerbsfähig und profitabel aufzustellen. Auf dieser Basis hat man in diesem Jahr damit begonnen, neue Kunden und Märkte zu erschließen, so beispielsweise im Zukunftsmarkt Solarenergie. Vielversprechende Neuaufträge sind in konkreten Verhandlungen. Um für diese Aufträge das Rohmaterial bestellen zu können, schafft der Insolvenzantrag den erforderlichen finanziellen Spielraum.

„Mit diesem Schritt stellen wir die Liquidität für bestehende und neue Aufträge sicher und können unsere Kunden weiterhin zuverlässig beliefern. Das ist die Voraussetzung dafür, unseren Sanierungskurs erfolgreich abschließen zu können,“ so Geschäftsführer von Hertzberg.

Auch die Mitarbeiter haben einen Beitrag geleistet, damit das Walzwerk Rohmaterial für neue Aufträge kaufen kann. Sie werden in diesem Monat einige Wochen auf die Zahlung ihrer Löhne und Gehälter warten müssen. „Das Management ist sich dieser Belastung für die Mitarbeiter bewusst. Doch nachdem die Gespräche mit den Banken gescheitert waren, hatten wir nur noch diese Option, um die Produktion sicherzustellen und das Unternehmen nicht zu gefährden,“ so von Hertzberg. Über das sogenannte Insolvenzausfallgeld sind die ausstehenden Zahlungen an die Mitarbeiter auf jeden Fall gesichert.

Die Geschäftsführung ist davon überzeugt, dass sich dieses Engagement lohnen wird. „Unser Ziel ist es, unser Werk und damit so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und das laufende Geschäft trotz Insolvenzantrag zur Zufriedenheit unserer Kunden weiterzuführen,“ so von Hertzberg. Das Insolvenzgesetz ermöglicht ein Sanierungsverfahren – die beste Möglichkeit, das Unternehmen dauerhaft zu sichern, so die Geschäftsführung. Um diese Sanierung zügig voran zu bringen, wurde die Geschäftsführung vorübergehend verstärkt. Mit an Bord ist bis zum Abschluss des Verfahrens Rechtsanwalt Dr. Oliver Damerius vom Insolvenz- und Sanierungsspezialisten Brockdorff & Partner. Von Hertzberg setzt darauf, dass nach erfolgreichem Neustart weitere Investitionen folgen werden. Erste Gespräche dazu hat es bereits gegeben. Das Walzwerk Finow mit Sitz in Eberswalde (Brandenburg) stellt mit seinen rund 200 Mitarbeitern geschweißte Stahlrohre und kalt geformte Stahlprofile her. Beliefert werden insbesondere die Automobilindustrie und die Baubranche. Im Geschäftsjahr 2008 wurden rund 70.000 t produziert. Der Umsatz lag bei rund 63 Mio. Euro. (Quelle: Walzwerk Finow GmbH)

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