Furnierwerk Winsen: 90 Leute müssen gehen
Schwacher Dollar sorgt für Auftragseinbruch im Furnierwerk Winsen
von Claudia Michaelis
Winsen: Im Furnierwerk Winsen, dem größten privaten Arbeitgeber der Kreisstadt, stehen Entlassungen und Kurzarbeit an. 90 Beschäftigte quer durch alle Abteilungen müssen jetzt gehen, weil die Auftragslage in Europas größtem und modernstem Furnierwerk stark eingebrochen ist. Vor allem der schwache Dollar macht dem vom Auslandsgeschäft maßgeblich getragenen Betrieb schwer zu schaffen.
Das Winsener Werk, in der Branche wegen seiner Qualitätsarbeit weltweit geschätzt, verarbeitet zu 60 Prozent nordamerikanische Hölzer. Doch die Lohnarbeit in Deutschland ist für viele Auftraggeber offenbar nicht mehr bezahlbar. Die US-Kunden, die ihr Holz sonst über den Atlantik zur Verarbeitung nach Winsen und zurück schippern, ließen das Holz wegen des schwachen Dollar jetzt verstärkt im eigenen Land aufarbeiten, erklärt Geschäftsführer Karl-Christian Danzer die Lage. Doch selbst die Hamburger Händler ließen ihr Holz statt in Winsen jetzt lieber in Amerika aufarbeiten. Allein beim Rundholz habe es in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Rückgang von 40 Prozent gegeben. "Das ist zuviel", stellt der Geschäftsführer fest. Das Werk könne nicht mit 60 Prozent Auslastung produzieren und die Belegschaft unverändert halten.
Der Sozialplan für die 90 betroffenen Mitarbeiter steht, bestätigt die Betriebsratsvorsitzende Karin Harden. Die Entlassenen werden vorerst in einer eigens gegründeten Transfergesellschaft aufgefangen. Mit den verbleibenden 160 Mit-arbeitern soll nach den Betriebsferien weiterproduziert werden, sagt Danzer. Wie es weitergehe, sei derzeit schwierig zu sagen. Dass sich der Dollar kurzfristig erholt, sei nicht zu erwarten. Gleichwohl halte die Firma am Standort Winsen fest. Er gehe davon aus, dass es bald wieder bergauf gehe, sagt der Geschäftsführer und Enkel des Firmengründers.
Karl Danzer hatte das Werk 1962 gegründet. Heute produziert die Firma Furniere für die Möbelindustrie ebenso wie exklusive Holzausstattungen für Schiffe, Flugzeuge und Luxuskarossen wie den Maybach. (Copyright: HAN-Online.de | Autor: Claudia Michaelis - 07/2008)
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