China: Kollektives Forstwirtschaftsrecht aufgebaut
China: Kollektives Forstwirtschaftsrecht in Fujian aufgebaut
Wenn man Hongtian betritt, stellt man gleich fest, dass es überall sehr grün ist. Die Bereitschaft der dortigen Bauern, Bäume zu pflanzen, ist sehr hoch. Allerdings sagen die Dorfbewohner auch, dies sei nicht immer so gewesen. Denn lange sei das Eigentumsrecht hinsichtlich der Forstwirtschaft nicht ganz eindeutig gewesen. Einerseits habe man willkürlich Bäume gefällt, andererseits habe niemand neue Bäume gepflanzt. Dazu der Dorfbewohner Xu Zhengquan: “Damals haben zahlreiche Leute willkürlich Bäume gefällt. Und die Wälder wurden auch nicht speziell verwaltet. Man wollte nur Profite erzielen.”
Hongtian ist ein unbekanntes kleines Bergdorf in der nordwestlichen Bergregion in der Provinz Fujian. Wie andere Bauern in China sind die Dorfbewohner aufgrund der Anwendung des allgemeinen vertragsgebundenen Verantwortungssystems nach und nach wohlhabender geworden. Die Dorfbewohner wollten jedoch ihre Einnahmen weiter vermehren, und schließlich fiel der Blick auf die über 1.200 Hektar Wald. Zu dieser Zeit wurden die Wälder vom Dorf kollektiv bewirtschaftet und verwaltet.
1998 wurde eine beispiellose Reform des Systems des Forsteigentumsrechts in Hongtian in Gang gesetzt. Top-Thema der Reform war es, die Wälder von allen Haushalten gemeinsam zu bewirtschaften und zu verwalten.
Nach der Anhörung der Meinungen und der Anregungen der Dorfbewohner wurde in Hongtian schließlich allen Haushalten das vertragsgebundene Bewirtschaftungsrecht der Wälder sowie das Recht auf Waldbesitz erteilt. So ist das allgemeine vertragsgebundene Verantwortungssystem über die dortigen Wälder in Kraft getreten. Nach nur einem Jahr hatten die Bauern dort bereits fleißig Bäume gepflanzt und diese auch gewissenhaft geschützt. Es gibt seither auch kein Ödland mehr, das willkürliche Fällen von Bäumen hat ebenfalls aufgehört. Hongtian ist seither von einer gewissen Lebenskraft geprägt.
1998 wurde in Hongtian der Auftakt der Reform des Systems des Forsteigentumsrechts in China realisiert. Es war für künftige umfassende Reformen dieses Systems in China wegweisend. Eine vom Staatsrat entsandte Untersuchungsgruppe führte zudem in Hongtian intensive Untersuchungen durch. Im Abschlußbericht wurde die Handlungsweise der Dorfbewohner gewürdigt. Huang Jianxing, ein Forstwirtschaftsexperte, sagt dazu:
“1998 hat die Dorfverwaltung von Hongtian, ohne leitende Dokumente von den Regierungen der oberen Ebene und ohne der Initiative von anderen Beteiligten, allen Haushalten des Dorfes das Bewirtschaftungs- und Verwaltungsrecht der Waldflächen erteilt. Zehn Jahre später haben wir diese Notwendigkeit berücksichtigt. Ich finde, das entspricht der Entwicklung der Umstände. In Fujian sind 80 Prozent der Fläche Gebirge, zehn Prozent Wasserfläche und zehn Prozent werden als Anbaufläche genutzt. Der Anteil der Anbaufläche ist also sehr niedrig. Ich bin daher der Meinung, dass diese Reform von äußerst großer Bedeutung ist.”
In Hongtian wurden eine einfache Verteilung der kollektiven Waldflächen sowie die Anwendung des Forsteigentumsrechts praktiziert. Eine Methode der vertragsgebundenen Bewirtschaftung der Haushalte ist dabei angewendet worden. Alle Haushalte und deren Mitglieder genießen die gleichen Rechte der Bewirtschaftung. Die Bewirtschaftungsquote wird entsprechend der Zahl der Mitglieder der jeweiligen Haushalte festgelegt. Alle Dorfbewohner sind so noch etwas wohlhabender geworden. Der 58-jährige Zhong Changxin hatte vorher nur wenig Ackerland, er war sehr arm. Nach der Umsetzung der Reform ist er verantwortlich für eine gewisse Waldfläche, wodurch er sein Einkommen deutlich vermehren kann. Wörtlich sagt er:
“Vorher war ich sehr arm. Meine Mutter ist bereits über 80 Jahre alt. Drei Jahre lag sie krank im Bett. Meine Frau ist körperlich behindert und kann nicht selbst für sich sorgen. Jetzt sind die politischen Regelungen gelockert worden. Die Berggebiete werden richtig verwaltet. Bisher gab es gegenüber meinem Haus nur Schilf, aber jetzt wächst dort eine richtiger Wirtschaftswald.”
Die Dorfbewohner von Hongtian betrachten die Wälder als eine Quelle des Wohlstands für sich selbst und für ihre Nachkommen. Sie pflegen und schützen die Wälder, um Insektenbefall oder Waldbränden vorzubeugen. Die dortige Vegetationsrate beträgt 81,4 Prozent, damit liegt das Dorf landesweit an erster Stelle. Die Dorfbewohner haben sogar eigene Gruppen zum Schutz der Wälder organisiert. In den vergangenen zehn Jahren gab es so keinen einzigen Fall des illegalen Baumfällens oder gar einen Waldbrand. Ein Dorffunktionär sagt begeistert:
“Nach der Anwendung der Reform gehört der Berg und der Wald zum eigenen Wohlstand. Alle Leute kümmern sich daher sehr gut um die Wälder. Und alle Leute sind sehr selbstbewußt, um die Wälder gut zu schützen.”
Heutzutage ist es überall rund um Hongtian grün und üppig. Jährlich können die Dorfbewohner durchschnittlich 5.000 bis 6.000 Yuan RMB verdienen, mehr als das landesweite Durchschnittsniveau der Bauern. 60 Prozent des Einkommens stammen dabei aus der Forstwirtschaft. Die Zunahme der Waldressourcen hat wiederum die Entwicklung der Bambus- und Holzverarbeitungsbetriebe gefördert. Im Dorf sind über zehn solcher Betriebe entstanden, von denen fünf ein Produktionsvolumen von über fünf Millionen Yuan RMB haben.
2003 sind die in Hongtian gemachten Erfahrungen in der ganzen Provinz verbreitet worden. Das Holzvolumen pro Hektar konnte so in der ganzen Provinz um 7,4 Kubikmeter erhöht werden. Die Vegetationsmenge liegt landesweit auf dem ersten Platz. Gleichzeitig sind auch die Einnahmen der Bauern gestiegen. (Quelle: China Nachrichten von China Observer)
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