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Brasilien: Maschinenbedarf bei Holzwerkstoffind.

Maschinenbedarf der brasilianischen Möbel- und Holzwerkstoffindustrie wächst
Bauboom belebt Möbelnachfrage / Effiziente Produktionstechnologien gefragt

Von Oliver Döhne


São Paulo (gtai): Der Aufschwung in der brasilianischen Bauwirtschaft belebt die Nachfrage nach Möbeln. Die Möbelfertigung findet überwiegend vor Ort statt, die Holzbearbeitungsmaschinen kommen aber vorrangig aus dem Ausland. Der Wechselkurs begünstigt diesen Trend. Deutschland hält einen Lieferanteil von 40%. Aufgrund der hohen Nachfrage achten die Möbelfabrikaten zunehmend auf die Qualität und die reibungslose Funktionsweise der Maschinen, davon profitieren wiederum deutsche Unternehmen.

Der brasilianische Import von Möbeln nimmt zu, kommt aber preislich nicht gegen die einheimische Produktion an. Vom Gesamtumsatz der Möbelindustrie über 30 Mrd. R$ kommt ein Bruchteil in Höhe von 1% ausländischen Anbietern zugute. Auf dem Inlandsmarkt dominieren Holzwerkstoffe wie MDP und MDF. Massivholzmöbel spielen vorrangig im Export eine Rolle, etwa nach Argentinien, in die USA und nach Frankreich. Die Produktion von Massivholz ist aufgrund des Wechselkurses und des entsprechend günstigen nordamerikanischen Holzes eingebrochen, seine Verarbeitung läuft aber gut.

Brasiliens Holzwerkstoffindustrie hat eine Marktkonsolidierung durchlaufen, die hervorgegangenen Großunternehmen haben an Durchschlagskraft und Abnahmegröße gewonnen. Duratex ist nach Übernahme von Satipel zum größten Holzwerkstoffhersteller Südamerikas aufgestiegen und verkündete im März 2011, die Produktionskapazität in Agudos im Bundesstaat São Paulo zu verdoppeln. Weitere Standorte wie Taquari in Rio Grande do Sul sollen expandieren.

Eucatex weihte Ende 2010 eine Produktion von T-HDF-Platten in Salto im Bundesstaat São Paulo ein. Konkurrent Berneck will 2011 eine neue Anlage in Curitibanos in Santa Catarina in Betrieb nehmen und weiter expandieren. Fibraplac eröffnete Ende 2010 ein neues Werk in Campinas, dessen anfängliche Kapazität von 250.000 Kubikmeter bis 2014 auf das Doppelte steigen soll. Weitere Marktgrößen sind Saint Gobain sowie die chilenischen Unternehmen Masisa und Arauco. Arauco war durch die Übernahme von Tafisa in Brasilien in eine marktbeherrschenden Position aufgerückt. Masisa eröffnete 2010 in Montenegro in Bundesstaat Rio Grande do Sul sein zweites Werk. Laut Fachverband Abipa durchläuft die Holzwerkstoffindustrie momentan einen Investitionszyklus, innerhalb dessen die Branche ihre Kapazität bis 2012 für rund 1,2 Mrd. US$ auf etwa 10,5 Mio. Kubikmeter hochschrauben wird.

Durch die Investitionen in die lokale Fertigung von Holzwerkstoffplatten bestehen gute Aussichten für deutsche Lieferanten. Nach Angaben des Fachverbands für Holzbearbeitungsmaschinen VDMA stieg der deutsche Export nach Brasilien 2010 um 33% auf 56,6 Mio. Euro. Damit machen deutsche Maschinen etwa 40% der Einfuhren aus. Gleichzeitig investieren die deutschen Anbieter in eine stärkere lokale Präsenz, um näher am Markt zu sein.

Die Mitglieder des VDMA sehen in Brasilien einen steigenden Bedarf für Produktionstechnologien, die einen effizienteren Mitteleinsatz gewährleisten. Sie begründen das zum einen mit den hohen Kosten für Grundstoffe und zum anderen mit der erhitzten Nachfrage nach Dekoration, Möbeln und Baukomponenten aus Holz, die mit dem steigenden Wohlstand der Bevölkerung einhergeht. Gemäß den Branchenexperten sind Türen das Produkt der Stunde.

Den brasilianischen Markt für Pressensysteme hat das Krefelder Unternehmen Siempelkamp fest in Griff. Der Mittelständler verkaufte in den vergangenen fünf Jahren 22 davon nach Brasilien, darunter die mit 77 Metern weltweit längste kontinuierliche Pressenstraße in Agudos. "Der Markt ist da", sagt Brasilien-Chef Bernd Hauers und verweist auf den noch relativ geringen Pro-Kopf-Verbrauch, die wirtschaftliche Stabilität und die steigenden Einkommen.

Beschichtungsanlagenhersteller Bürkle baut in Brasilien ein Händlernetz für Importanlagen aus Deutschland auf, nachdem ein erster Versuch mit eigener Produktion nach Angaben von Brasilien-Chef Christian Noetzel fehlschlug. Seiner Meinung nach steigt in Anbetracht der hohen Nachfrage der Bedarf an Qualitätsmaschinen, um einen dauerhaften zuverlässigen Betrieb zu garantieren.


Ein weiterer deutscher Weltmarktführer, der Holzplattenverarbeiter Homag, verdoppelte
seinen Umsatz in Brasilien 2010 auf 30 Mio. Euro. Homag produziert dort drei Kantenanleimmaschinen und Plattenaufteilsägen als Einstiegsmodelle, um künftige Kunden an die fortgeschrittenen Modelle aus deutscher Fertigung heranzuführen. Managing Director für Brasilien Helmut Strahl erwartet aufgrund des Aufstiegs großer Bevölkerungsteile in die Mittelklasse beste Geschäftsaussichten für die kommenden Jahre. Hauptkonkurrenz bekommt Homag aus Italien durch SCM und Biesse.

Produzenten des High End-Segments interessieren sich ebenfalls stärker für Brasilien. Dazu gehört das Unternehmen IMA Klessmann, Hersteller von vollautomatisierten Holzverarbeitungssystemen der obersten Güteklasse. Jörg Rosemeier, Vertriebsleiter Export für Nord-, Mittel- und Südamerika, bestätigt die steigende Bedeutung Brasiliens infolge der aktuellen Weltkonjunktur und wegbrechender traditioneller Märkte. "In den USA geht momentan nichts, während Brasilien in unsere Top 5 aufgerückt ist", so Rosemeier.

Ein weiteres interessantes Feld sind Werkzeugmaschinen und Ersatzteile für Holzbearbeitungsmaschinen. Atemag stattet die Anlagen von IMA, Weinig und anderen mit Bohr-, Fräse- und Sägeaggregaten aus. Vorstand Matthias Kropf sieht in Brasilien Bedarf für Effizienzgewinne, etwa durch eine Kombination verschiedener Bearbeitungsstufen, die aus Mangel an geeigneten Komponenten bislang auf getrennte Anlagen entfallen. Als Beispiel für ein effizienzsteigerndes Produkt aus dem Firmenportfolio nennt Kropf den Waagerechtbohrer: "Auf herkömmlichen Maschinen wird von oben nach unten gebohrt, danach muss der Bearbeitungsgegenstand auf eine separate Maschinen verlagert werden, was unnötig Zeit kostet."

Nicht allein große Maschinen, sondern auch Werkzeugmaschinen für den Bedarf von Handwerksbetrieben und Baumärkten kommen in Brasilien an. Der Sägen-Hersteller Altendorf fertigt seine Produkte am Standort Blumenau in Südbrasilien. Leitz, Weltmarktführer bei Werkzeug und Werkzeugsystemen für Holz- und Kunststoffmaschinen, produziert in São Sebastiao do Cai in Rio Grande do Sul.

Beim Maschinenexport nach Brasilien sollten deutsche Unternehmen die Finanzierung nicht aus dem Auge lassen, besonders in Hinblick auf die hohen Kreditzinsen im Brasilien. Über die Hermes-Instrumente der Bundesregierung stehen sowohl Bestellern als auch Lieferanten interessante Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung. "Ein Finanzierungsangebot an den Kunden ist nach wie vor erforderlich", sagt Finanzierungsberater Bernd Kalbfell, der unter anderem die Homag-Gruppe bei der Absatzfinanzierung in Brasilien unterstützt.

Zentren der brasilianischen Möbelindustrie sind der Süden und Südosten, besonders Bento Gonçalves im Bundesstaat Rio Grande do Sul, São Bento do Sul in Santa Catarina, Arapongas in Paraná, Linhares in Espirito Santo und Obá in Minas Gerais. Die Holzwerkstoffverarbeitung findet in São Paulo, den drei südlichen Bundesstaaten sowie Espírito Santo und Minas Gerais statt. In der Möbelbranche sind etwa 14.600 Unternehmen und 234.000 direkt Beschäftigte aktiv. Größte Möbelproduzenten sind Itatiaia, Todeschini, Carrara und Delano.

An der FIMMA, der größten Messe Lateinamerikas für Rohmaterialien, Accesoires und Maschinen für die Möbelindustrie, die vom 21.-25.3.11 in Bento Gonçalves stattfand, beteiligte sich erstmals ein deutscher Gemeinschaftsstand mit 13 Unternehmen. Insgesamt nahmen an der Messe 650 Aussteller und rund 44.000 Besucher teil. Die nächste FIMMA ist vom 25.-29.3.2013 am selben Ort geplant. (Quelle: gtai Germany Trade and Invest / Oliver Döhne - 04/11)

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