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Berater Roland Berger und Banken ringen um Zukunft

Berater Roland Berger und Banken ringen um Zukunft der Sägegruppe Klausner

Die US-Geschäfte sollen die Fritz Klausner-Gruppe, Global Player in der Säge-Branche, in Bedrängnis gebracht haben. An der Restrukturierung tüftelt Berater Roland Berger.

von Kid Möchel/Leo Himmelbauer, WirtschaftsBlatt


20.05.08 - St. Johann. Der Säge-Konzern des Tirolers Fritz Klausner (1.800 Mitarbeiter, rund 712,5 Millionen € Umsatz), Selfmade-Global-Player in der Holzbranche, kämpft mit massiven Finanz-Problemen. Für Mittwoch haben die Klausner Trading International und ihre Rechtsberater die Banken zu einer Krisen-Besprechung am Münchner Flughafen geladen. Darunter sind: Deutsche Bank, Badenwürttembergische Bank, Dresdner Bank, HVB, Bayrische Landesbank, Westdeutsche Landesbank Girozentrale, Commerzbank sowie RLB OÖ, Hypo Alpe Adria Bank, BA-CA und Investkredit. Mit an Bord ist das deutsche Beratungsunternehmen Roland Berger, das von Klausner kurzfristig engagiert wurde.

Worst-Case-Szenario heftig dementiert
Zuvor war ein für 15. Mai anberaumter Banken-Gipfel verschoben worden. Zugleich war auch die Zusammenarbeit mit einem Münchner Berater beendet worden. Angeblicher Grund: Auffassungunterschiede bei der Fortführungsprognose. Die vom Berater getroffenen Darstellungen sollen laut Unternehmensangaben mit der aktuellen Unternehmensentwicklung nicht übereinstimmen. Außerdem soll der Münchner Berater nur ein Worst Case Szenario in Sachen Fortführung erstellt haben, aber kein „Realistic Case" oder „Best Case Szenario". Die Worst-Case-Prognose, die anhand der Zahlen der ersten drei Monate 2008 erstellt worden sein soll, soll einen 100 Millionen € Konzern-Fehlbetrag ergeben. Dem Vernehmen nach wird die Höhe der Lücke heftig dementiert. Indes soll nun ein Roland Berger-Team anhand der Ist-Zahlen der ersten vier Monate 2008 eine realistische Planung erstellen und den Banken die weiteren Fortführungs-Schritte darlegen.

KSV: "Keine Kreditempfehlung"
Dem Vernehmen nach sollen die US-Geschäfte das Liquiditätsproblem ausgelöst haben. So soll Klausner indirekt Betroffener der Subprime-Krise sein, weil der Preisverfall dramatisch war. Laut KSV1870-Auskunft gilt die finanzielle Lage der Klausner-Gruppe u.a. durch die angespannte Situation am US-Markt, dem Hauptexportland, als beengt. Der KSV1870 rät zu „keiner Kreditempfehlung". Das Unternehmen bzw. seine Rechtsberater geben unter Hinweise auf den Banken-Gipfel gegenüber dem WirtschaftsBlatt keine Stellungnahme ab.

125 Millionen € über Anleihe geholt
Vor etwas mehr als einem Jahr sorgte die Klausner Gruppe mit einer Unternehmensanleihe für Schlagzeilen. Der Bond mit einer Laufzeit von sieben Jahren sollte ein Volumen von 100 Millionen € bekommen. Das Emissionskonsortium, angeführt von der Investkredit, RZB und UniCredit, konnte aber wegen guter Nachfrage gleich 125 Millionen € bei institionellen Anlegern platzieren. Das Geld wurde zur Optimierung der Finanzierungsstruktur und zum Ausbau des in Niedersachsen zugekauften Sägewerks benötigt, womit die Produktionskapazität auf vier Millionen Kubikmeter Schnittholz erhöhte. Fritz Klausner wies bei der Pressekonferenz anlässlich der Anleihe auf den im Jahr zuvor von 383 auf 537 Millionen € gestiegenen Umsatz seiner Gruppe hin. Verkauft wurden damals 3,5 Millionen Kubikmeter (bei einem Einschnitt von 5,8 Millionen Festmetern), zu 80 Prozent in Exportmärkten wie USA, England, Japan, Korea, Vietnam, China und Austrialien.

(Quelle: WirtschaftsBlatt, Wien)

Zauberer aus Tirol und der heilige Zorn der Säger

Neben Gerald Schweighofer, der sein Imperium an Stora Enso verkaufte, als er Vierzig war, ist der jetzt 44 Jahre alte Tiroler Fritz Klauser der zweite österreichische Zauberer in der Sägeindustrie. Als 27jähriger wagte er 1991 den Sprung ins Förderparadies Ostdeutschland. Klausner stellte in Thüringen ein Großsägewerk auf die grüne Wiese. Es hat mittlerweile eine Einschnittkapazität von 2,2 Millionen Festmeter und zählt zu den größten in Europa - wie sein später in Wismar errichtetes Werk Nordic Timber.

Klausner zog sich den heiligen Zorn der europäischen Branche zu, weil ihm die deutschen Fördertöpfe die kostengünstigste Schnittholzproduktion ermöglichte. Der Tiroler konterte in Sachsen mit dem dritten Großprojekt, kaufte in Niedersachsen ein Sägewerk und wagte sich schließlich vor zwei Jahren mit einem Großprojekt nach Bayern.

Die Einschnittkapazität der in 15 Jahren aus dem Boden gestampften Gruppe: mehr als acht Millionen Festmeter. Damit ist sie Nummer zwei hinter Stora Enso. Das hätte sich Großvater Max, der 1918 in St. Johann eine kleine Säge gründete, nicht träumen lassen.

(Quelle: WirtschaftsBlatt, Wien)

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