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Banken entmachten Fritz Klausner

Banken entmachten Fritz Klausner - Sanierung des Sägekonzerns läuft an

Die Gläubigerbanken geben den Startschuss für die Restrukturierung der Klausner-Gruppe. Berater Roland Berger legt bis Ende Juni ein Fortführungskonzept vor.

von Kid Möchel/Leo Himmelbauer, WirtschaftsBlatt


26.05.08 - St. Johann. Der Bankengipfel rund um die angespannte Liquiditätslage bei der Sägegruppe Fritz Klausner (1800 Mitarbeiter, 712 Millionen € Umsatz) war erfolgreich. Vergangenen Mittwoch beschlossen die Großgläubiger in einer mehrstündigen Sitzung im Hotel Kempinski am Münchner Flughafen, dass die Klausner-Gruppe „sanierungsfähig und sanierungswürdig" ist.

Dem Vernehmen nach einigten sich die Großgläubiger auf ein umfangreiches Stillhalteabkommen bis Mitte Juli. Die Finanzierungslinien bleiben bis dahin aufrecht. Die Tilgung der Kreditlinien wird bis zu diesem Stichtag gestundet. Bis Ende dieser Woche müssen die Banken das ausgehandelte Zwischenergebnis von ihren Gremien schriftlich absegnen lassen. Bis Ende Juni wird das Beratungsunternehmen Roland Berger ein Gutachten/Fortführungskonzept vorlegen.

Wechsel an der Unternehmensspitze
Ein Unternehmensberater soll die „operative Restrukturierung" der Klausner-Gruppe begleiten. Zugleich sollen u. a. ein neuer Firmenchef und ein neuer Finanzchef in Abstimmung mit Banken und Berater bestellt werden. Sollten die aufrechten Finanzierungslinien nicht ausreichen und frisches Kapital benötigt werden, muss Fritz Klausner weitere Sicherheiten beibringen. Für diesen Fall soll er „sämtliche Anteile an der Klausner-Gruppe ohne Bedingungen übertragen", wird kolportiert.

Wie das Wirtschaftsblatt exklusiv berichtete, hat die schlechte Lage am US-Holz-Markt, dem Hauptexportmarkt Klausers, die Gruppe in Liquiditätsnot gebracht. Ein Münchner Unternehmensberater hat im „Worst Case" den Konzern-Fehlbetrag mit 100 Millionen € beziffert. Das Unternehmen bestreitet die Höhe der kolportierten Finanzlücke, hat aber bisher zu den aktuellen Schwierigkeiten keine offizielle Stellungnahme abgegeben.

Auf eine solche warten insbesondere die Zeichner der im Vorjahr aufgelegten Unternehmensanleihe über 125 Millionen €. Der Handel mit den Anleihetranchen zu 50.000 € ist seit Vorwoche und bis auf weiteres an der Wiener Börse ausgesetzt. Man erwarte bereits am Dienstag eine schriftliche Stellungnahme der Klausner-Gruppe über das weitere Schicksal der Anleihe, heißt es in Bankenkreisen.

Wie berichtet, zählen die Deutsche Bank, Baden-Württembergische Bank, Dresdner Bank, HVB, Bayrische Landesbank, Westdeutsche Landesbank Girozentrale, Commerzbank sowie RLB OÖ, Hypo Alpe Adria Bank, BA-CA und Investkredit zu den Gläubigern. Die Wiener Rechtsberater der Klauser-Gruppe wollten auf WirtschaftsBlatt-Anfrage zum Ergebnis des Münchner Bankengipfels keine Stellungnahme abgeben.

Die Krise bei Klausner habe einen Preiskrieg zu folge, der auf die gesamte mitteleuropäische Sägeindustrie abfärbe, sie schreibe derzeit rote Zahlen. Das hatte in der Vorwoche der Obmann der österreichischen Sägeindustrie, Hans Michael Offner, zum WirtschaftsBlatt gesagt. Eine Bestätigung für diesen Lagebericht sind die Quartalszahlen der Sägesparte von Stora Enso, dem Marktführer in Europa. In den ersten drei Monaten sank der Umsatz um 19,8 Prozent auf 379 Millionen €, das EBIT drehte von 54,8 auf minus 23,4 Millionen €.

(Quelle: WirtschaftsBlatt, Wien)

Zauberer aus Tirol und der heilige Zorn der Säger

Neben Gerald Schweighofer, der sein Imperium an Stora Enso verkaufte, als er Vierzig war, ist der jetzt 44 Jahre alte Tiroler Fritz Klauser der zweite österreichische Zauberer in der Sägeindustrie. Als 27jähriger wagte er 1991 den Sprung ins Förderparadies Ostdeutschland. Klausner stellte in Thüringen ein Großsägewerk auf die grüne Wiese. Es hat mittlerweile eine Einschnittkapazität von 2,2 Millionen Festmeter und zählt zu den größten in Europa - wie sein später in Wismar errichtetes Werk Nordic Timber.

Klausner zog sich den heiligen Zorn der europäischen Branche zu, weil ihm die deutschen Fördertöpfe die kostengünstigste Schnittholzproduktion ermöglichte. Der Tiroler konterte in Sachsen mit dem dritten Großprojekt, kaufte in Niedersachsen ein Sägewerk und wagte sich schließlich vor zwei Jahren mit einem Großprojekt nach Bayern.

Die Einschnittkapazität der in 15 Jahren aus dem Boden gestampften Gruppe: mehr als acht Millionen Festmeter. Damit ist sie Nummer zwei hinter Stora Enso. Das hätte sich Großvater Max, der 1918 in St. Johann eine kleine Säge gründete, nicht träumen lassen.

(Quelle: WirtschaftsBlatt, Wien)

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© 2008 WirtschaftsBlatt, Wien

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