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Altpapierunternehmen: Schwierige Marktbedingungen

bvse: Altpapierwirtschaft hat dennoch Zukunft
Extrem schwierige Marktbedingungen für Altpapierunternehmen


Der 12. Internationale Altpapiertag des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. stand in diesem Jahr ganz unter dem Eindruck der extrem schwierigen Marktbedingungen. Der mit Abstand größte Altpapierkongress in Europa konnte in diesem Jahr mit annähernd 600 Teilnehmern an die Rekordteilnehmerzahl im letzten Jahr anknüpfen. Noch am Vorabend und kurz vor der bvse-Altpapiertagung meldeten sich zahlreiche Teilnehmer nachträglich an. Dieses Ergebnis hat die Erwartungen des Veranstalters angesichts des extrem schwierigen Marktumfeldes bei weitem übertroffen.

Nach Ansicht von Hubert Neuhaus, Vorsitzender des Fachverbandes Papierrecycling und Vizepräsident des bvse sei, dies auch ein deutliches Zeichen dafür, dass die Altpapierbranche nicht am Ende sei. Neuhaus erklärte auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Altpapiertages: "Manche in der Branche verbreiten momentan Weltuntergangsstimmung. Ich kann nur davor warnen. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Das macht die Situation nicht leichter, sondern lähmt den unternehmerischen Tatendrang, den wir gerade jetzt dringend nötig haben."

Diese Krise, so Neuhaus weiter, könne man nicht aussitzen, jeder müsse sein Geschäft auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen. Dieser 12. Internationale Altpapiertag sende daher die klare Botschaft aus: „Die Altpapierwirtschaft hat Zukunft!“ Dabei gehe es nicht darum, schwierige Zeiten schön zu reden. Der Markt sei im letzten Jahr in einer Geschwindigkeit nach unten gegangen, die keiner vorhergesagt und die niemand vermutet hätte.

Neuhaus verwies jedoch darauf, dass die Branche immer noch eine stark mittelständisch geprägte Struktur habe, was sich jetzt immer mehr als großer Vorteil herausstelle. Man sehe, dass sich gerade in kritischen Phasen die privaten Altpapierentsorgungsunternehmen als erfahrene Krisenmanager erwiesen: Sie böten den kommunalen und gewerblichen Anfallstellen Entsorgungssicherheit; gleichzeitig sicherten sie die Rohstoffversorgung der Papierfabriken mit dem qualitativ hochwertig aufbereiteten Rohstoff Altpapier.

Die Altpapierentsorger übten damit eine unverzichtbare Pufferfunktion aus und schafften den notwendigen Ausgleich im aktuell veränderten Nachfragemarkt. Sie seien das entscheidende Glied in der Papierkette zur Schließung des Stoffkreislaufes und stellten somit das Altpapierrecycling sicher. Der Vorsitzende des Fachverbandes Papierrecycling verwies darauf, dass die Papierfabriken in 2008 – erstmals seit 26 Jahren - weniger Altpapier eingesetzt hätten als im Vorjahreszeitraum.

Der Altpapierverbrauch lag bei 15,42 Millionen Tonnen, dies entspreche einem Rückgang um 400 Tausend Tonnen (2,5%) gegenüber 2007. Bezogen auf die Altpapiersortengruppen entfiel der größte Teil davon auf die Unteren Sorten (-190 T to), gefolgt von den Mittleren und Krafthaltigen Qualitäten (-118 T to, -76 T to).

Das Altpapieraufkommen hingegen hatte eine Steigerung zu verzeichnen und erreichte in Deutschland 15,56 Millionen Tonnen (15.51 Mio. to in 2007). Exportiert wurden ca. 3,18 Millionen Tonnen Altpapier und damit etwa 470 Tausend Tonnen mehr als im Vorjahreszeitraum (2,71). Marginal zugenommen hat die Menge importierten Altpapiers: rund 3,04 Millionen Tonnen gegenüber 3,02 Millionen in 2007. In Umkehrung des Vorzeichens gegenüber 2007 wurde Deutschland damit in 2008 wieder Nettoexporteur von Altpapier.

Neuhaus: "Wenn man diese Zahlen für 2008 betrachtet, bildet sich schon der Einbruch des Marktes im letzten Quartal deutlich ab. Deutschland hat mehr Altpapier gesammelt denn je, aber der Altpapierverbrauch ist zurückgegangen. Wir glauben nicht, dass sich dieser Trend bei der Erfassung in diesem Jahr fortsetzt. Schon jetzt zeichnet sich vielmehr ab, dass die gesammelten Mengen, analog der zurückgehenden Industrieproduktion in Deutschland, deutlich gesunken sind und sinken werden."

Bei manchen Altpapiersorten nähere sich der Markt mengenbezogen einer Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Das gelte zum Beispiel für Kaufhausaltpapier, das erfreulicherweise verstärkt von den asiatischen Märkten nachgefragt werde. Für diese Sorte könne festgestellt werden, so der Fachverband Papierrecycling, dass die Lagerbestände inzwischen niedrig seien und dass die Ordertätigkeit, vor allem aus China, auf einem befriedigenden Niveau bleibe.

Nach wie vor kritisch schätzt der bvse die Situation bei den deinkbaren Sorten ein. Vor allem Zeitungen und Illustrierte würden nicht in ausreichendem Maße nachgefragt. Hier hätten sich die Läger leider stark aufgebaut und kurzfristige Besserung sei nicht in Sicht! Auch die Erlössituation der Altpapierunternehmen sei gegenwärtig "alles andere als erfreulich". Dies führe leider dazu, dass die Altpapier-Entsorgungs-wirtschaft an der Anfallstelle wieder eine Zuzahlung verlange. (Quelle: europaticker.de)

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