ALBA ordnet Aktivitäten bei Interseroh neu
ALBA ordnet nach Erreichen der Satzungsmehrheit bei Interseroh Aktivitäten neu
Die börsennotierte INTERSEROH SE beschleunigt den Ausbau der Unternehmensgruppe unter dem Dach der ALBA Group zum führenden deutschen Umweltdienstleister und Rohstoffhändler, heißt es am späten Freitagnachmittag in einer Presseaussendung des Kölner Recyclingkonzerns. Zuvor war bekannt geworden, dass die ALBA-Eigner Axel und Eric Schweitzer über ihre Isabell Finance Vermögensverwaltungsgesellschaft die 75 Marke des Aktienbesitzes überschritten hatten. Danach soll die Federführung alle Aktivitäten im Bereich Stahl- und Metallrecycling in der von Axel Schweitzer geleiteten Kölner Interseroh Zentrale konzentriert werden. Drei Regionalgeschäftsführer sollen die Aktivitäten der Gesellschaften in den Regionen Süd, Nord-West und Ost koordinieren.
Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise sowie die weltweite Konjunkturschwäche haben die Geschäftsentwicklung in der Recyclingbranche im vierten Quartal 2008 erheblich belastet, musste Schweitzer am frühen Freitagmorgen zunächst einräumen. Dr. Axel Schweizer war mit Wirkung zum 5. August 2008 zum Vorsitzenden des Vorstandes bestellt worden. Schweitzer folgte auf Johannes-Jürgen Albus, der im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat zum 4. August 2008 aus seinem Amt ausgeschieden war. Gleichzeitig hatte der Aufsichtsrat seinen Bruder Dr. Eric Schweitzer zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt. Schweitzer schlidderte damit voll in die sich im August noch nicht abzeichnende Wirtschaftskrise und musste sich umgehend als Krisenmanager beweisen.
Der überraschend stark ausgefallene Preisverfall in der Stahl- und Metallbranche und auf den Papier- und Kunststoffmärkten sowohl im vierten Quartal 2008 als auch zu Beginn des laufenden Jahres sowie die unerwartete Nichtabnahme vertraglich fest vereinbarter Mengen über alle Fraktionen hinweg, insbesondere durch asiatische Marktteilnehmer, führten auch in der Interseroh-Gruppe zu erheblichen Zusatzbelastungen und beeinträchtigten spürbar die Umsatz- und Ergebnisentwicklung, begründet Schweitzer in einer „ad hoc Meldung“ die „Gewinnwarnung“. Im Gegensatz zu den nicht börsengehandelten Mitbewerbern muss Interseroh wesentliche Geschäftsvorgänge publizieren. In einer Blitzumfrage des europaticker bei den wesentlichen Branchenteilnehmern wird der katastrophale Trend übereinstimmend bestätigt.
Das Segment Stahl- und Metallrecycling verzeichnete durch Bestandsabwertungen aufgrund nicht abgenommener Mengen und durch Margenverluste ein negatives Ergebnis vor Steuern im vierten Quartal 2008. Über alle Segmente der Gesellschaft hinweg wird die INTERSEROH SE das Gesamtjahr 2008 aufgrund der guten Entwicklungen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres dennoch mit einem deutlich positiven Ergebnis vor Steuern abschließen, verkündet Schweitzer anders als einige Mitbewerber, die für das Geschäftsjahr 2008 ein negatives Jahresergebnis erzielen werden. Aber auch das Interseroh-Ergebnis wird deutlich unterhalb des Vorjahres liegen, so die ad hoc Mitteilung.
Über den Verlauf des Geschäftsjahres 2009 mag die Branche aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten auf den weltweiten Rohstoffmärkten derzeit noch keine verlässliche Prognose abgegeben. "Die Märkte für Recycling-Material sind regelrecht zusammengebrochen", beschreibt Jörg Lacher, der Leiter Politik und Kommunikation beim Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, die derzeitige Situation. Der Abnahmepreis für Altpapier sei von zeitweise 100 Euro auf gerade noch fünf Euro pro Tonne eingestürzt. Im Schrottbereich ging es sogar bis zu 300 Euro je Tonne nach unten, so Lacher. Schweitzer will auf der Bilanzpresskonferenz am 26. März 2009 über Einzelheiten der INTERSEROH informieren.
Axel Schweitzer: "Aus der gegenwärtigen Krise an den Rohstoffmärkten gestärkt herausgehen"
Interseroh will den Ausbau der Unternehmensgruppe unter dem Dach der ALBA Group zum führenden deutschen Umweltdienstleister und Rohstoffhändler forcieren und unter Wahrung der Selbstständigkeit zum nationalen Vertriebskompetenz-Center der ALBA Group ausgebaut werden. „Als führender Vollsortimenter soll Interseroh ausgebaut werden“, kündigte Interseroh-Vorstandschef Dr. Axel Schweitzer in Köln am Freitag an. „Interseroh und ALBA werden unter Wahrung des at-arm`s-length-Prinzips (Fremdvergleichsgrundsatz ) in ihren unterschiedlichen Geschäftsfeldern so miteinander kooperieren, dass die Ertragsstärke beider Unternehmen steigt“, so der Vorstandschef. Interseroh übernehme zudem innerhalb der ALBA Group „die Federführung“ über alle Aktivitäten im Bereich Stahl- und Metallrecycling. „Die Kernkompetenzen der INTERSEROH SE werden damit deutlich gestärkt“, so Schweitzer.
Schweitzer kündigte außerdem an, dass die Interseroh-Gruppe im Segment Stahl- und Metallrecycling derzeit ihre Strukturen neu ordne: „Ab sofort werden drei Regionalgeschäftsführer die Aktivitäten der Gesellschaften in den Regionen Süd, Nord-West und Ost koordinieren. Ihre Aufgabe ist es, mögliche Synergien zwischen den rund 20 Einzelgesellschaften zu heben und unsere Absatz- und Einkaufsmacht zu stärken.“ Schweitzer betonte, dass die Unternehmensgruppe damit strukturell weitreichende Schritte eingeleitet habe, um aus der gegenwärtigen Krise an den Rohstoffmärkten „gestärkt“ hervorzugehen.
Eric Schweitzer: "ALBA Group solide finanziert"
Aufsichtsratsvorsitzender Eric Schweitzer geht indes schon einen Schritt weiter. Er hat am Wochenende gegenüber der Berliner Morgenpost angekündigt, dass die ALBA Group weitere Zukäufe plane. Nach seiner Ansicht werde die Finanzkrise die laufende Konsolidierung in der Abfall- und Recyclingbranche "noch mal beschleunigen". Geld für Zukäufe sei vorhanden, da die ALBA Group solide finanziert sei und nicht unter einer Kreditklemme leide. Wie zu hören ist, will ALBA die sächsischen Aktivitäten eines norddeutschen Entsorgungskonzerns übernehmen. Bei den Verhandlungen soll es Probleme bei der Preisfindung gegeben haben. (Quelle: europaticker.de - 01/2009)
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